Montag, 9. Dezember 2019

Welthandel "Wir machen ordentlich Druck"

Droht ein neuer Protektionismus? Grant Aldonas, Staatssekretär im US-Wirtschaftsministerium, äußert sich im Gespräch mit manager-magazin.de über die Zukunft des Freihandels, Amerikas zwiespältiges Verhältnis zu Deutschland und die Wirtschaftsbeziehungen zu China.

mm.de:

Mr. Undersecretary, die Verhandlungen zur Liberalisierung des Welthandels im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) gehen weiter - allen Befürchtungen eines Kollapses zum Trotz. Wann wird die aktuelle Verhandlungsrunde von Doha abgeschlossen sein?

 Grant Aldonas , Staatssekretär für Außenhandel im US-Wirtschaftsministerium, ist ein alter Hase im Washingtoner Politzirkus. Als Experte für Wirtschaft und Handel arbeitete der gelernte Jurist im Außenministerium und im Büro des US-Beauftragten für den Handel, im Stab des Vorsitzenden des Senats-Haushaltsausschusses und als Partner einer Washingtoner Anwaltskanzlei, die auf internationalen Handel spezialisiert ist. Der Sohn einer Einwandererfamilie - die Mutter stammt aus Schweden, der Vater aus Litauen - wuchs in Minneapolis (Minnesota) auf.
Volker Wenzlawski
Grant Aldonas, Staatssekretär für Außenhandel im US-Wirtschaftsministerium, ist ein alter Hase im Washingtoner Politzirkus. Als Experte für Wirtschaft und Handel arbeitete der gelernte Jurist im Außenministerium und im Büro des US-Beauftragten für den Handel, im Stab des Vorsitzenden des Senats-Haushaltsausschusses und als Partner einer Washingtoner Anwaltskanzlei, die auf internationalen Handel spezialisiert ist. Der Sohn einer Einwandererfamilie - die Mutter stammt aus Schweden, der Vater aus Litauen - wuchs in Minneapolis (Minnesota) auf.
Aldonas: Der kritische Punkt ist die Landwirtschaft. Die USA und die EU haben sich in diesem Punkt bewegt. Jetzt sind die agrargüterexportierenden Länder am Zug. Die anderen Verhandlungsfelder - die weitere Marktöffnung für Industriegüter und Dienstleistungen - werden leichter werden. Aber die Landwirtschaft ist die wirkliche Herausforderung. Ich würde Ihnen gerne sagen, dass wir Ende des Jahres die Doha-Runde abschließen können. Aber es kann gut sein, dass die Verhandlungen noch ein paar Mal kurz vor dem Exitus stehen werden - wie schon im Sommer 2003 bei der Konferenz von Cancún - bis wir einen endgültigen Durchbruch erleben werden.

mm.de: Ist nicht auch Amerika ein Hindernis für die Verhandlungen? Viele in Europa werfen den USA vor, sie hätten das Interesse an multilateralen Verhandlungen verloren.

Aldonas: Um es mal ganz grundsätzlich zu sagen: Eine Volkswirtschaft unserer Größe - das Gleiche gilt auch für Europa - kann nur im Rahmen multilateraler Handelsabkommen, die mit einer großen Zahl von Staaten verhandelt werden, wirkliche Fortschritte erzielen. Natürlich haben wir ein großes Interesse an der derzeitigen WTO-Runde.

mm.de: Die Bush-Administration hat generell den Eindruck hinterlassen, Amerika handele per se lieber auf eigene Faust.

Aldonas: Viele Leute versuchen, George Bush und die gesamte Regierung als Unilateralisten darzustellen. Aber schauen Sie sich mal die einzelnen Themen an, die uns vorgeworfen werden. Zum Beispiel das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz: 97 Mitglieder des US-Senats haben gegen das Abkommen gestimmt - das war nicht George Bush. Wir waren sehr deutlich hinsichtlich unserer Zweifel an dem Abkommen. Und es gibt viele Länder, die unsere Zweifel teilen - andernfalls wäre das Kyoto-Protokoll inzwischen ratifiziert. Es gibt gute Gründe gegen Kyoto zu sein, und das hat nichts mit unilateralistischen Instinkten zu tun, die uns viele Leute zuschreiben.

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