Volkswagen Aktiendeal mit Abu Dhabi geplatzt

Mit dem Emirat Abu Dhabi als neuem VW-Großaktionär schien Vorstandschef Bernd Pischetsrieder ein Überraschungscoup gelungen zu sein. Doch die Scheichs lassen den Deal platzen. Der Preis fürs Aktienpaket war ihnen zu hoch. Unmittelbare Folge für VW: Der Einstieg bei Europas größtem Autoverleiher klappt nicht wie vorgesehen.

Wolfsburg - Der Volkswagen-Konzern  ist mit seinem Plan gescheitert, den 50-Prozent-Einstieg beim größten europäischen Auto-Leasing-Anbieter LeasePlan durch den Verkauf eigener Aktien an das Emirat Abu Dhabi zu finanzieren.

Die Gespräche seien eingestellt worden, weil man sich nicht über den Kaufpreis eines Aktienpakets von 9,8 Prozent des Kapitals habe einigen können, teilte VW am Mittwoch mit. Beide Seiten bedauerten diesen Schritt. Der alternativen Finanzierung aus dem laufenden Geschäft habe der Aufsichtsrat bereits im April zugestimmt.

An der vereinbarten LeasePlan-Gesellerschafterstruktur wird aber nicht gerüttelt: VW übernimmt 50 Prozent, die beiden durch Tochtergesellschaften vertretenen Co-Investoren, die private saudische Olayan-Gruppe, sowie die im Besitz des Emirats Abu Dhabi befindliche Mubadala Development Company, werden jeweils 25 Prozent halten. Den Kaufpreis von zwei Milliarden Euro sollten ursprünglich die ausländischen Investoren zahlen, die von VW im Gegenzug im Eigenbesitz gehaltene Anteile erhalten hätten.

Nun muss Volkswagen eine Milliarde Euro aus dem laufenden Geschäft aufbringen. VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte allerdings erst kürzlich erneut den negativen Cash-Flow bei Europas größtem Autobauer beklagt.

Als Knackpunkt der Verhandlungen dürfte sich der verschlechterte Aktienkurs von Volkswagen erwiesen haben. Als das Geschäft vor wenigen Monaten angekündigt wurde, hätten die Wolfsburger lediglich etwa 6,5 Prozent der Aktien abgeben müssen. Wegen des Kursverfalls des VW-Titels stieg der Anteil nun auf 9,8 Prozent. VW wollte die Papiere jedoch in keinem Falle zum aktuellen Kursniveau abgeben. Am Mittwochnachmittag verlor die Aktie 2,91 Prozent auf 32,39 Euro.

VW betonte, es gebe mit dem Emirat nach wie vor "vielversprechende Perspektiven für eine weitere intensive, nachhaltige und für alle Beteiligten vorteilhafte Zusammenarbeit".

Die niederländische Großbank ABN Amro  hatte sich im Sommer auf den Verkauf von LeasePlan Corporation N.V. (Almere-Stad) mit dem Konsortium um VW geeinigt. Leaseplan hatte in den ersten sechs Monaten seinen Gewinn im Vorjahresvergleich um 23 Prozent auf 99,9 Millionen Euro gesteigert. Das Volumen des Leasing-Bestands wuchs im gleichen Zeitraum um 351 Millionen Euro auf 10,1 Milliarden Euro. LeasePlan betreut eine Flotte von 1,2 Millionen Fahrzeugen.

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