Autobauer Chancen für den Volks-Wagen

Die "Aldisierung" erfasst langsam die Autobranche. Angesichts der Konsumflaute gewinnen billige Modelle an Bedeutung. Während Importeure längst entsprechende Preisbrecher in den Schauräumen haben, zieht mit Volkswagen jetzt auch ein heimischer Hersteller nach.

Hamburg - Es könnte ein Geplänkel im Vorfeld der anstehenden Tarifverhandlungen bei Volkswagen gewesen sein. Eine Woche vor Beginn der Gespräche erklärte ein Topmanager des Konzerns der "Bild"-Zeitung, dass ein billiges Einsteigerauto wie der Fox für unter 10.000 Euro auch in Deutschland gebaut werden könne.

Lada 110: Der Russe kostet knapp 8000 Euro

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Daewoo Matiz: Der kleine Koreaner ist ab 7300 Euro im Angebot

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Kia Picanto: Ab 8700 Euro bieten die Koreaner das Modell an

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Fiat Seicento: Das Basismodell ist ab etwa 7000 Euro zu haben

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Die Aldi-Autos:
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Allerdings nur nach dem Arbeitsmodell des Vans Touran, wonach die Beschäftigten pauschal 2550 Euro im Monat erhalten, deutlich weniger als der regulär beschäftigte Volkswagen-Arbeiter.

Ein Sprecher sagte am Freitag zu dem Bericht, es sei richtig, dass ein Pkw für unter 10.000 Euro geplant sei. Es bleibe aber dabei, dass dieser Fox in Brasilien gebaut werde. Kein Wunder, denn ein Fahrzeug zu diesem Preis ließe sich angesichts der hohen Lohnkosten hier zu Lande kaum rentabel produzieren.

"Volkswagen hat sich verrannt"

Dennoch, das Billigauto von Volkswagen kommt, wenn es auch nicht in Wolfsburg zusammengeschraubt wird. Für Beobachter ist das nur konsequent. "Der Konzern hat sich verrannt. Die Wolfsburger brauchen wieder einen echten Volks-Wagen. Das kann vom Preis her nicht der Golf sein", sagt Wolfgang Meinig, Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW), gegenüber manager-magazin.de.

Tatsächlich hat Volkswagen zuletzt auf dem deutschen Markt Absatzrückgänge verzeichnet. Dagegen haben japanische und koreanische Hersteller mit ihren billigeren Autos mächtig zugelegt. Erst vor wenigen Tagen hatte Volkswagen-Vertriebschef Georg Flandorfer erklärt, die Marke wolle wieder mehr Autos für das Volk bauen.

Die "Aldisierung" der Gesellschaft scheint auf die Autobranche überzugreifen. Gerade dort waren Marken und deren Image bislang entscheidender beim Kauf als der Preis. Das Bewusstsein hat sich jedoch angesichts der mauen Konjunktur, Angst vor Arbeitsplatzverlust und der grassierenden Konsumflaute geändert. Dabei haben die Autobauer selbst den Schnäppchentrend verstärkt, indem sie die Kundschaft mit immer neuen Rabattaktionen auf das Sparen einschworen.

Importeure mit Billigangeboten

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Nunmehr gibt es offenbar einen Trend zum Billigauto per se. Jenseits aller Preisnachlässe entwickelt sich zaghaft eine Nachfrage nach Pkw unterhalb der 10.000-Euro-Marke. "Die Chancen für solche Fahrzeuge stehen gut, da die Mobilitätskosten steigen, das zur Verfügung stehende Budget aber konstant bleibt", erklärt FAW-Experte Meinig.

Während Volkswagen sich allerdings erst jetzt auf jenen Markt besinnt, den der Firmenname vorgibt, haben Importeure diesen längst entdeckt und besetzt. Sie haben preiswerte Modelle in Position gebracht, während die Wolfsburger an ihrem Luxusflaggschiff Phaeton herumbastelten.

Beispiel Renault : Die Franzosen wollen demnächst den Logan in einer Preisspanne zwischen 5000 und 10.000 Euro anbieten. Zunächst kommt der Benziner zwar nur in Rumänien und der Türkei auf den Markt. Dennoch kündigte Konzernchef Louis Schweitzer bereits an: "Wir schließen mittelfristig nicht aus, dass dieser Wagen seinen Platz in jedem Markt finden kann." Also auch in Westeuropa.

Niedriger Preis statt Ausstattung

Andere Hersteller haben ähnliche Vehikel für unter 10.000 Euro im Angebot. Fiat verkauft den Seicento und den Panda. Daewoo bietet den Matiz in diesem Bereich an, Lada den Typ 110. Und Kia besetzt das unterste Segment mit dem Picanto. Bei all diesen Modellen werden Käufer weder mit einer üppigen Ausstattung noch mit technischen Finessen verwöhnt. Zudem ist das Design mitunter dem Preis entsprechend, der dafür aber entsprechend überschaubar ausfällt.

Noch liegt der Marktanteil der Preisbrecher auf niedrigem Niveau. Doch vor allem die günstigen Koreaner konnten in den vergangenen Monaten zulegen. Dass Volkswagen den Konkurrenten den Markt nicht kampflos überlassen will, gibt dem Segment dabei zusätzliche Bedeutung.

Der Fox hätte gegenüber den Importwettbewerbern Vorteile, vereinigt er doch den Preis mit einer bekannten Marke. Zudem wäre der Imageschaden gering, denn mit dem 10.000-Euro-Auto kehren die Wolfsburger quasi zu ihren Ursprüngen zurück.

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