Werften EADS mit Lust auf Meer

Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS kann sich auf lange Sicht ein Engagement im Marinebereich vorstellen. Möglich wäre eine Beteiligung an einem europäischen Rüstungs- und Schiffbauunternehmen, an dem mehrere Werften derzeit arbeiten.

Hamburg/Berlin/Kiel - Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS  will sich stärker im Marinebereich engagieren. "Wir wollen die Konsolidierung der Marineindustrie aktiv begleiten und unsere Interessen wahren", erklärte ein Sprecher am Donnerstag gegenüber manager-magazin.de.

Eine zügige und direkte Beteiligung kommt aber derzeit nicht in Frage. "Wir wollen kein Schiffbauer werden", hieß es weiter. Damit dementierte EADS entsprechende Presseberichte. Die französische Tageszeitung "Les Echos" berichtete am Donnerstag, der Konzern biete für einen 25-prozentigen Anteil der US-Investmentgesellschaft One Equity Partners (OEP) an der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW).

OEP und ThyssenKrupp  wollen eigenen Angaben zufolge ihre Werftaktivitäten unter Führung von ThyssenKrupp zusammenlegen. Dafür soll OEP 25 Prozent der Anteile an dem Verbund erhalten, der dann aus den Werften HDW, Blohm + Voss und den Nordseewerken bestehen wird.

EADS wartet auf die europäische Superwerft

Das Interesse von EADS bezieht sich offenbar auf ein Unternehmen, was aus einer weitergehenden Fusion des entstehenden deutschen Verbundes mit französischen Rüstungs- und Schiffbauunternehmen entstehen würde. In Frankreich will Thales bis 2005 die angeschlagene Werft DCN (Direction des Construction Navals) übernehmen. Dabei strebt Thales die Führungsrolle an. Der Konzern hat bislang keine eigene Werft, liefert aber im großen Stil Elektro- und Radartechnik für den Marineschiffbau. Danach könnte es zu einem Zusammenschluss mit den Deutschen kommen, ein Szenario, das sowohl die Regierungen in Paris als auch in Berlin unterstützen.

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Foto: HDW
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Foto: HDW
U-Boot der Klasse 209/1200: Seit 1967 baut HDW diese Boots-Typen

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Eben dann könnte auch der Einsteig von EADS konkreter werden. Der Luft- und Raumfahrtkonzern will sein Verteidigungsgeschäft stärken und könnte dann bereits vorhandene Produkte einbringen. So stellt EADS unter anderem Marschflugkörper und verschiedenste elektronische Sensoren her.

Allerdings wirkt vor allem der hohe Staatsanteil bei den Franzosen bislang noch abschreckend auf EADS. Sowohl an Thales als auch an DCN ist Paris maßgeblich beteiligt. DCN gilt zudem als zu groß und kann nur mit Hilfe von Subventionen überleben. Ob und wann EADS eine Marinebeteiligung aufnimmt, hängt daher maßgeblich von Fortschritten bei der Privatisierung in Frankreich ab.

Bundesregierung stellt Milliardenaufträge in Aussicht

Der geplante deutsche Werftenverbund bekommt derweil Unterstützung aus Berlin. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) stellte in einem "Handelsblatt"-Interview Milliardenaufträge für die deutschen Schiffbauer in Aussicht.

Struck zeigte sich optimistisch, dass sich der Werftenverbund erfolgreich in Europa behaupten kann. Auch er wertete den Zusammenschluss als wichtigen Schritt in Richtung eines europäischen Verbundes. Struck mahnte aber: "Wichtig ist mir dabei, dass der bei OEP verbleibende Anteil von 25 Prozent an dem Werftenverbund bei einem Verkauf möglichst ebenfalls an einen deutschen Investor geht."

Damit will der Minister offenbar der Skepsis bei Gewerkschaften entgegentreten. Die Arbeitnehmervertreter fürchten den Abbau von Arbeitsplätzen und wollen verhindern, dass deutsche Werften an ausländische Investoren "verhökert" werden.

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