VA Tech Schutzschild gegen Siemens

Österreichs Finanzminister Karl-Heinz Grasser spricht sich gegen den Kauf des heimischen Anlagenbauers VA Tech durch Siemens aus. Die Regierung in Wien bastelt nun an einer Abwehrstrategie gegen die Deutschen.

Wien/München - Siemens  sei kein geeigneter Partner für VA Tech, weil es parallele Kapazitäten gebe und Standortschließungen und Stellenabbau damit wahrscheinlich seien, sagte Grasser am Dienstag in einem Radiointerview mit dem Österreichischen Rundfunk (ORF). "Das sind Gefahrenmomente, die es sehr deutlich gibt", betonte der ÖVP-Politiker.

Siemens lehnte eine Stellungnahme zu Grassers Äußerungen ab. Branchenkreisen zufolge beschäftigte sich auch der Siemens-Zentralvorstand am Dienstag mit der Angelegenheit.

Grassers Aussagen sind ein herber Rückschlag für Siemens. Damit dürften sich die Chancen der Münchener verringern, Teile eines der größten österreichischen Industriekonzerne zu übernehmen.

Das deutsche Unternehmen hatten in der Vorwoche Interesse an Teilbereichen der VA Tech und diesbezügliche Gespräche mit dem österreichischen Industriellen Mirko Kovats, der 12,5 Prozent an dem Unternehmen hält, bestätigt. Siemens interessiert sich Unternehmenskreisen zufolge aber nur für die Sparten Energieübertragung und -verteilung sowie Infrastruktur. Damit könnte eine Zerschlagung des österreichischen Konzerns drohen, was in Österreich für wütende Proteste sorgt.

Wien bastelt am Schutzschild

Nur wenige Monate nach dem Streit zwischen Berlin und Paris über den angestrebten Kauf von Teilen des angeschlagenen französischen Alstom-Konzerns steht der im Dax  notierte Konzern somit erneut im Zentrum einer hoch emotionalen politischen Debatte. Vor dem Siemens-Hauptsitz demonstrierten am Morgen rund 70 VA-Tech-Mitarbeiter gegen einen drohenden Arbeitsplatzabbau.

Am Dienstag hatte es in österreichischen Regierungskreisen geheißen, das Kabinett werde die geplante Privatisierung der VA Tech vorerst auf Eis legen, um eine mögliche Übernahme durch Siemens zu verhindern. Die mit 15 Prozent an VA Tech beteiligte Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG) solle - entgegen den ursprünglichen Plänen - die anstehende Kapitalerhöhung zeichnen und somit als Schutzschild dienen.

Durch die Stimmrechtsbeschränkung von 25 Prozent in der Hauptversammlung der VA Tech und den hohen Streubesitz verfügt die ÖIAG über maßgeblichen Einfluss. Bleibt sie auf längere Zeit Aktionär, sind wesentliche Beschlüsse gegen die ÖIAG nicht möglich. Die Kapitalerhöhung in Höhe von etwa 25 Prozent des Kapitals soll noch in diesem Herbst stattfinden.

Die ÖIAG sollte im Zuge der Privatisierung der VA Tech ihren Anteil ursprünglich restlos verkaufen. In den vergangenen Tagen war der politische Widerstand gegen eine mögliche Übernahme durch Siemens und Kovats aber immer stärker geworden. Die Angst vor Arbeitsplatzverlusten und ein vermeintlicher "Ausverkauf" Österreichs hatten vor wenigen Wochen bereits den geplanten Einstieg von Swisscom bei Telekom Austria platzen lassen.

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