Schadensbilanz Der Milliarden-Sturm

Auf lediglich rund 50 Millionen Euro beziffert die Hannover Rück, Nummer vier der Branche weltweit, die eigenen Belastungen durch den Hurrikan "Frances". Unterdessen braut sich über dem Atlantik der nächste Sturm zusammen, der ebenfalls die US-Küste ansteuert: "Ivan", 205 Stundenkilometer schnell.

Miami - Der Rückversicherer Hannover Rück  rechnet nach dem Hurrikan "Frances" in den USA mit einer Schadenbelastung "im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich". Damit erweise sich das Ausmaß des Schadens in diesem Fall als weniger gravierend als zunächst erwartet worden war.

Der Hurrikan "Charley", der vor drei Wochen über Florida wütete, werde voraussichtlich zu einer Belastung von 70 Millionen Euro führen, teilte der Versicherungskonzern mit. Vor dem Hintergrund dieser beiden Großschäden und einer Schadenbelastung von rund 50 Millionen Euro im ersten Halbjahr gebe es keinen Grund, "unsere Ergebniserwartung für das Gesamtjahr 2004 in Höhe von 390 bis 430 Millionen Euro zu ändern", hieß es in der Mitteilung weiter.

Die Hurrikans dürften die Vertragsverhandlungen für die neuen Prämien im nächsten Jahr beeinflussen und nicht zu den von vielen Marktteilnehmern erwarteten Preisnachlässen (Preisabrieb) im Katastrophen-Rückversicherungsgeschäft führen.

Die Hannover Rück ist nach eigenen Angaben mit einem Prämienvolumen von rund elf Milliarden Euro eine der fünf größten Rückversicherungsgruppen der Welt. Sie unterhält Rückversicherungsbeziehungen mit über 3000 Versicherungsgesellschaften in rund 150 Ländern.

Münchener Rück: 15 Milliarden Dollar Schaden möglich

Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück  hat am Montag noch keine Kostenschätzung für die Schäden des Hurrikans "Frances" vorgelegt. Der Hurrikan sei noch nicht abgeklungen, deshalb könne keine Schätzung abgegeben werden, sagte ein Sprecher in München. Der gesamte Versicherungsschaden werde auf 5 bis 15 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Paradise Island: Die faszinierende Kraft des Meeres

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Hurrikanwarnung: Ein Bewohner von Miami Beach trägt eine Spanplatte zum Verrammeln von Fenstern und Türen nach Hause

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Zuflucht für die Opfer: Notunterkünfte in Fort Pierce

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Packen: Während sich Hurrikan "Frances" dem US-Staat Florida nähert, packt eine Familie aus Tampa ihre Sachen

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Stockender Verkehr auf der Interstate 95 in Daytona Beach: Etwa 2,5 Millionen Menschen wurden aufgefordert, ihre Häuser vorläufig zu verlassen

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Mutprobe: Ein Surfer nutzt die Wellen in der Nähe von Delray Beach

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Stop and go: Hurrikan-Flüchtlinge verstopfen die Straßen

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Auf zu sicheren Ufern: Die Wasserschutzpolizei von Fort Lauderdale begleitet eine Gruppe von Booten in einen sicheren Hafen

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Schlange stehen für Benzin: Tankstelle im Bezirk Sweetwater bei Miami

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Florida und der Sturm "Frances":
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Fünf Millionen Menschen ohne Strom

Fünf Millionen Menschen ohne Strom

"Frances" hat auf seinem Weg durch Florida mindestens zwei Menschen das Leben gekostet. Abgeschwächt auf 105 Kilometer pro Stunde wurde der Wirbelsturm am Montag im Nordwesten des US-Staats erwartet, wo die Behörden weitere Evakuierungen anordneten. Der Sturm könnte in den nächsten Stunden wieder deutlich an Kraft zunehmen, warnte das Nationale Hurrikan-Zentrum.

Eine Frau wurde von einem Baum erschlagen, der in ihren Wohnwagen stürzte. Ein Mann verunglückte bei dem Unwetter mit dem Auto. Berichte über zwei weitere Todesfälle wurden von den Behörden zunächst nicht bestätigt. Bereits auf den Bahamas hatte "Frances" zwei Menschen in den Tod gerissen.

Mehr als fünf Millionen Menschen hatten zeitweise keinen Strom, bei heftigen Regenfällen wurden Straßen überschwemmt und Dächer abgedeckt. An der Küste peitschte der Hurrikan Dutzende Boote an den Strand. Die Windböen knickten zahlreiche Bäume und Strommasten um, mehrere Wohnmobile wurden beschädigt. An der Ostküste Floridas fielen mehr als 30 Zentimeter Regen, in einigen Gegenden stand das Wasser über einen Meter hoch.

"Ivan", der fünfte Hurrikan 2004 nimmt Kurs auf USA

2,8 Millionen Menschen hatten sich bereits vor Ausbruch der Naturkatastrophe in Sicherheit gebracht. Für Rettungseinsätze wurden rund 8000 Mitglieder der Nationalgarde in Einsatzbereitschaft versetzt. Gouverneur Jeb Bush flog am Sonntagnachmittag nach West Palm Beach, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Für Schätzungen sei es aber noch zu früh, sagte Bush. In den Regionen Palm Beach, Orange und Indian River wurden Plünderer festgenommen.

Während "Frances" nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums (NHC) mit Sitz in Miami über dem Golf von Mexiko erneut an Kraft gewinnen könnte, braut sich über dem Atlantik bereits ein weiterer Hurrikan zusammen: Rund 1000 Kilometer südöstlich von Barbados sammelte "Ivan" am Sonntag weiter Kraft. Meteorologen rechnen damit, dass "Ivan", der fünfte Hurrikan in diesem Jahr, über Barbados und Puerto Rico hinwegfegt. Ob er auch die USA treffen wird, war zunächst nicht abzusehen. Bei dem von Meteorologen als Zyklon bezeichnete Sturm "Ivan" wurden Windgeschwindigkeiten um die 205 Stundenkilometer gemessen.

Geschäfte bleiben am "Labor-Day" geschlossen

Geschäfte bleiben am "Labor-Day" geschlossen

Der US-Verband Risk Management Solutions erwartete Versicherungsschäden zwischen zwei und zehn Milliarden Dollar. "Wir glauben, dass es eine enorm hohe Rechnung geben wird", sagte Marsha Evans vom Amerikanischen Roten Kreuz am Sonntag dem Fernsehsender CNN. Nachdem der Hurrikan zwei Tage über Florida tobte, dürften neben den Schäden an Gebäuden auch Belastungen für die 53 Milliarden Dollar schwere Tourismusbranche in dem Bundesstaat entstehen.

Die Stadt Miami - das größte Ballungs- und wichtigste Geschäftszentrum Floridas - war aber nicht so schwer betroffen wie befürchtet und auch Disney World bei Orlando meldete nur geringe Schäden. Der Freizeitpark wollte schon am Montag wieder teilweise öffnen. Für die Bezirke Miami Dade und Broward hoben die Behörden die Evakuierungsanordnung auf. Auch die internationalen Flughäfen von Miami und Fort Lauderdale wurden wieder geöffnet.

Wirbelsturm-Spezifikum mit negativer Auswirkung

"Es gibt Schäden, aber keine vollständige Zerstörung", sagte Linette Trabulsy, Sprecherin des Bezirks Fort Pierce, nach Begutachtung der Straßen, in denen der Sturm gewütet hatte. "Es hätte viel schlimmer kommen können." Am kräftigsten wütete der Sturm, der über ein Gebiet in der zweifachen Größe Deutschlands hinwegstob, an der Ostküste Floridas.

An dem wegen des US-Feiertags "Labor-Day" am Montag verlängerten Wochenende hatten viele Einzelhändler auf rege Geschäfte gesetzt. Bis Freitag hatte die Supermarktkette Wal-Mart aber wegen des Sturms 59 ihrer Filialen geschlossen. Die Baumarktkette Lowe's hatte am Sonntag ebenfalls zahlreiche Geschäfte schließen müssen.

Die Ratingagentur Fitch gab bekannt, dass Erstversicherern, die ihre Policen direkt an Privatkunden verkaufen, kräftige Verluste drohen. Das langsame Tempo, in dem sich Frances fortbewegt habe, habe Gebäude besonders lange den kräftigen Winden ausgesetzt. Unklar sei noch, in welchem Umfang auch die Rückversicherer, die Versicherungen an andere Versicherer verkaufen, von den Kosten betroffen seien, teilte Fitch mit.

Taifun Songda: Mindestens 80 Tote in China

Während in Florida die Zahl der Unwetter-Toten unter zehn Personen liegt, sind bei den Regenstürmen im Südwesten Chinas nach jüngsten amtlichen Angaben mindestens 79 Menschen ums Leben gekommen. 74 Menschen galten noch als vermisst. Wie das Amt für Naturkatastrophen der Provinz Sichuan am Montag mitteilte, gab es dort allein 55 Tote und 47 Vermisste. In der Industriemetropole Chongqing belief sich die Zahl der Toten auf 24 Tote und 27 Vermisste. Der Wetterdienst rechnete im Laufe des Tages mit einer Abschwächung der Stürme, die seit Donnerstag über den Südwesten der Volksrepublik hinwegfegten.

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