Börsengang Bahn auf Brachialkurs

Die Bahn will an die Börse - und zwar schnell, noch vor der nächsten Bundestagswahl. Dagegen regt sich Widerstand, auch in den Regierungsparteien. Und tatsächlich häufen sich derzeit die Gründe, die gegen ein Bahn-IPO sprechen.

Berlin - Die Grünen haben die Börsenpläne von Bahnchef Hartmut Mehdorn heftig kritisiert. "Ich kann den Bahnvorstand nur davor warnen, einen Brachialkurs in Richtung Börsengang mit dem Preis zu fahren, dass Investitionen gekappt, Schalter geschlossen und massenhaft Personal abgebaut werden", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Albert Schmidt, der "Berliner Zeitung".

Mehdorn hatte die Bundesregierung indirekt aufgefordert, den Börsengang der Bahn bis zur Bundestagswahl im Jahr 2006 einzuleiten. Schmidt hält einen Börsengang bis 2006 jedoch "nicht für realistisch".

Das derzeitige Privatisierungsmodell, das einen Börsengang mit Teilen der Infrastruktur vorsehe, sei "parteiübergreifend umstritten". Derzeit werde ein neues Modell untersucht. "Das Ergebnis liegt frühestens im Frühjahr 2005 vor", sagte Schmidt. Zudem müsse die Bahn erst einmal "nachhaltig gute wirtschaftliche Zahlen" vorlegen. Im Fernverkehr aber hinke sie "auch in diesem Jahr ihren Zielen weit hinterher".

Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn hatte in der "Welt am Sonntag" den Zeitplan für den geplanten Börsengang konkretisiert. "Das Ziel muss es sein, dass unser Eigentümer den Börsengang der Bahn bis zur Bundestagswahl im Jahr 2006 aufs Gleis bringt. Ich hoffe, dass dies gelingt", sagte Mehdorn der Zeitung.

In den von der Bundesregierung geplanten Milliardeneinsparungen bei Investitionen in die Bahn sieht Mehdorn keine Gefahr für sein Vorhaben. "Die Sparmaßnahmen des Bundes beeinträchtigen unsere Börsenpläne und das Geschäftsergebnis grundsätzlich nicht", sagte Mehdorn.

Mehdorn plant, dass "zu einem gewissen Teil die Bahn-Aktie an der Börse platziert werden" soll. Dadurch solle die Ausgabe von Mitarbeiter-Aktien ermöglicht werden. Er glaube aber nicht, "dass die Bahn-Aktie eine neue Volks-Aktie wird". Das zu platzierende Volumen sei dafür zu gering. Er denke vor allem an einen Kreis institutioneller Investoren. "Ein Vorbild könnten die börsennotierten Eisenbahnen in Japan sein", wo die Privatisierung erfolgreich verlaufen sei. "Die Kollegen dort haben zum Beispiel zahlreiche Aktienfonds aus der ganzen Welt als Anleger gewonnen."

Transnet fragt nicht wann, sondern ob überhaupt

Transnet: Nicht wann, sondern ob überhaupt

Die Gewerkschaft Transnet warnte unterdessen vor einem neuerlichen "Börsen-Aktionismus" bei der Privatisierung der Bahn. "Die Frage nach dem Börsengang muss grundsätzlich geklärt werden, erst dann muss die Frage nach dem Zeitpunkt gestellt werden", sagte Norbert Hansen, Vorsitzender von Transnet.

Für Transnet stehe die Beschäftigungssituation an erster Stelle. Dazu will die Gewerkschaft einen Tarifvertrag durchsetzen, der unter anderem den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen vorsieht. Die Verhandlungen hierzu sollen ab Ende September fortgesetzt werden. Der bisherige Tarifvertrag läuft Ende des Jahres aus.

Indes plant die Bahn bereits jetzt Stellenstreichungen bei ihrer Tochter DB Projektbau. Grund dafür seien die gekürzten Investitionszuschüsse des Bundes, sagte ein Bahnsprecher dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Die Bahn könne in den kommenden Jahren wesentlich weniger Neubauprojekte in Angriff nehmen als bis noch vor wenigen Monaten gedacht - und benötigt deshalb auch weniger Planungskapazitäten, wie die Zeitung weiter schreibt. Grund sind die schrumpfenden Investitionszuschüsse des Bundes.

"Wir sind gezwungen, den Personalbestand der Auftragslage anzupassen", sagte ein Sprecher der DB Projektbau der Zeitung. In diesem Jahr würden deshalb 500 bis 600 Stellen abgebaut, im kommenden Jahr noch einmal 850 bis 900. Für die betroffenen Mitarbeiter bemühe sich die Bahn jedoch um freie Stellen im Konzern.

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