Siemens Die bösen Deutschen

Österreichs Regierung stellt sich nicht mehr gegen den Kauf des heimischen Technologiekonzerns VA Tech durch Siemens. Voraussetzung: Das Management muss mitziehen. Doch die VA-Tech-Verantwortlichen warnen vor der feindlichen Übernahme, während die Belegschaft mit Anzeigen in der Tagespresse gegen Siemens Stimmung macht.

Hamburg/Wien - Sollte der Vorstand des Linzer Unternehmens das Siemens-Angebot unterstützen und es dem Privatisierungsauftrag entsprechen, "kann es sehr gut sein, dass wir dem Vorschlag des VA-Tech-Vorstandes folgen", sagte ÖIAG-Vorstandssprecher Peter Michaelis in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Presse". Eine von den VA-Tech-Verantwortlichen als feindlich eingestufte Übernahme würde von der ÖIAG hingegen nicht unterstützt.

Eben danach sieht es aus. Das VA-Tech-Management interpretiert die Offerte von Siemens  weiterhin als "feindlich". Bei einem Treffen Ende vergangener Woche in München hatte VA-Tech-Chef Klaus Sernetz Siemens klargemacht, dass das Management sich gegen eine Übernahme wehren werde.

Sernetz betonte, alle Großbanken hätten "ein klares Bekenntnis zu dem vom VA-Tech-Vorstand vorgelegten Konzept hinsichtlich Restrukturierung und Kapitalerhöhung abgelegt und werden daher diesen Weg auch weiterhin unterstützen". "An dieser Haltung hat sich nichts geändert", bekräftigte eine VA-Tech-Sprecherin am Montag gegenüber manager-magazin.de.

Wie Sernetz weiter sagte, habe Siemens deutlich gemacht, dass Vorstand und Aufsichtsrat derzeit nicht mit dem Thema VA Tech beschäftigt seien. "Ob es daher überhaupt zu einem Übernahmeangebot kommen wird, und in welcher Form, ist vom Siemens-Konzern keineswegs entschieden, hieß es.

Siemens signalisiert Interesse

Die Deutschen hatten am vergangenen Donnerstag erstmals ihr Interesse am österreichischen Mischkonzern bestätigt. "Es ist kein Geheimnis, dass es Überlegungen gibt, ob Teilaktivitäten der VA Tech für Siemens von Interesse sein könnten", hatte Siemens-Österreich-Chef Albert Hochleitner erklärt.

Wie aus Branchenkreisen bekannt wurde, werde ein Einstieg zwar seit Monaten sondiert, Knackpunkt seien aber die Zukunft von Unternehmensteilen, die Siemens nicht übernehmen wolle. Der Übernahmepreis könnte laut Medienberichten bis zu 900 Millionen Euro erreichen.

Appell der VA-Tech-Belegschaft

Die drohende Zerschlagung hat mittlerweile ganz Österreich alarmiert. Gewerkschaften und Parteien protestieren gegen den möglichen Einstieg von Siemens.

Die VA-Tech-Beschäftigten haben am Montag in ganzseitigen Zeitungsanzeigen ihre Sorgen geäußert. Bei einer Übernahme würden "letztlich hunderte, wahrscheinlich sogar tausende Arbeitsplätze verloren gehen", schreibt VA-Tech-Konzernbetriebsratschef Anton Beneder in einem offenen Brief an die Siemens-Beschäftigten, der in den österreichischen Zeitungen "Kurier" und "Kronen Zeitung" ganzseitig abgedruckt ist.

Durch einen Zusammenschluss entstünden Überkapazitäten, die den Abbau von Arbeitsplätzen wahrscheinlich machten, schreibt Beneder: "Wir als VA-Tech-Belegschaft sehen diese mögliche Entwicklung mit großer Sorge. Und wir denken, dass auch die Kolleginnen und Kollegen bei Siemens diesen Aspekt bedenken sollten - weil er sie auch betreffen könnte."

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