Gaspreise Eon-Ruhrgas macht einen Rückzieher

Deutschlands größter Gasimporteur will die Gaspreise zum 1. Oktober nur halb so stark erhöhen wie geplant. Ein Zusammenhang mit den Untersuchungen des Kartellamtes bestehe nicht. Man habe einfach neu gerechnet, heißt es.

Frankfurt - Der zum Konzern Eon  gehörende Gasgroßhändler Ruhrgas will die Gaspreise zum 1. Oktober weniger stark erhöhen als zunächst angekündigt. "Wir haben gerade die jüngsten Berechnungen abgeschlossen. Danach werden wir die Preise zum 1. Oktober nicht um acht, sondern lediglich um vier Prozent erhöhen", sagte Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Im Mai hatte der Ruhrgas-Vorstand angekündigt, die Preise zum 1. Oktober gegenüber den weiterverteilenden Kunden auf Grund der hohen Ölpreise um sieben bis acht Prozent zu erhöhen.

Bergmann bestritt einen Zusammenhang mit Untersuchungen des Bundeskartellamts oder den Protesten von Verbraucherverbänden über die hohen Energiepreise. Der Konzern habe sich exakt an die bestehenden Verträge mit den Gasförderländern gehalten. "Und deren Berechnung hat eine Preiserhöhung von vier Prozent zum 1. Oktober ergeben", sagte Bergmann. "Das hat mit den Untersuchungen des Kartellamts genauso wenig zu tun wie mit Boykottforderungen vermeintlicher Verbraucherschützer."

Bergmann verteidigte zugleich die Ölpreisbindung des Gases. In importabhängigen Ländern sei sie für alle Vertragsparteien von Vorteil, auch für die Verbraucher. "Durch diese Verträge bleibt der Gaspreis nämlich berechenbar", sagte Bergmann. "Ohne diesen Mechanismus könnten die dominierenden Erdgasförderländer den Preis durch ihre Angebotspolitik langfristig fast nach Belieben diktieren."

Der Präsident des Bundeskartellamts, Ulf Böge, hatte Ende August erklärt, seine Behörde werde die Gaspreiserhöhungen stärker unter die Lupe nehmen. Es gebe eine Reihe von Ungereimtheiten bei den Gaspreisen, sagte der Chef der Kontrollbehörde. Seiner Auffassung nach sei die bestehende Koppelung von Gas- und Heizölpreisen, die vor über drei Jahrzehnten vereinbart wurde, nicht mehr zeitgemäß. Inzwischen handele es sich um zwei verschiedene Märkte.