Opel/Saab Drohender Länderkampf

Bei Saab in Trollhättan und Opel in Rüsselsheim geht die Angst vor Produktionsschließungen um. Die Belegschaften der europäischen GM-Werke üben Solidarität und machen zusammen Front gegen die Konzernpläne. Dennoch, der Vergleich zwischen beiden Standorten hat schon begonnen.

Frankfurt - In einer gemeinsamen Erklärung forderten die Arbeitnehmervertreter am Freitag in Trollhättan eine Offensive der Konzernleitung, um mit neuen und innovativen Produkten Marktanteile zurückzugewinnen und Werksschließungen zu verhindern. Außerdem verlangten die Betriebsräte einen Zukunftsvertrag für alle europäischen Standorte von General Motors , der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

Der Vorsitzende des europäischen Arbeitnehmerforums, Klaus Franz, der auch der Betriebsratschef von Opel ist, sagte: "Die europäischen Arbeitnehmervertreter werden sich nicht durch Sozialdumping gegeneinander ausspielen lassen."

Betriebsrat, Metallgewerkschaft und Stockholmer Minister riefen allerdings die 6300 Saab-Beschäftigten zu vereinten Anstrengungen auf, um sich gegenüber Rüsselsheim in eine bessere Position zu bringen. "Natürlich ist es hässlich, Betriebe und Menschen auf diese Weise gegeneinander zu stellen", meint Betriebsrat Chresten Nielsen in "Dagens Nyheter". GM leide jedoch in Europa nun mal unter erheblichen Überkapazitäten bei gehobenen Mittelklassewagen.

Droht also ein Länderkampf zwischen Schweden und Deutschland? Klaus Franz relativierte gegenüber manager-magazin.de derartige Tendenzen: "Einen Länderkampf gibt es nicht." Zugleich verwies der Opel-Betriebsratschef auf Parallelen zu anderen Autobauern: "Bei Mercedes wurde Sindelfingen mit Bremen verglichen, bei Volkswagen Bratislava mit Wolfsburg."

Dennoch haben die Pläne der amerikanischen Konzernmutter für Unruhe gesorgt. General Motors beabsichtigt, sein Produktionsprogramm in Europa zu straffen und die Fahrzeuge der Mittelklasse (Opel, Saab und Vauxhall) ab 2008 nur noch in einem europäischen Werk zu produzieren. Derzeit werden dafür der Opel-Standort in Rüsselsheim und das Saab-Werk in Trollhättan auf ihre Tauglichkeit untersucht.

Ein Sprecher von GM-Europe hatte am Donnerstagabend gesagt, die Entscheidung für nur noch einen Produktionsstandort bedeute nicht notwendigerweise, dass der andere geschlossen werden müsse. "Wir könnten dort auch ein anderes Modell produzieren", ergänzte er. Mit einer Entscheidung wird nicht mehr in diesem Jahr gerechnet.

Nachteil Saab: geringe Produktivität

Beide Standorte werden nun trotzdem auf Vor- und Nachteile hin überprüft. Das Saab-Werk in Trollhättan hadert mit niedriger Produktivität. Investitionen sind notwendig. Zudem ist die nordeuropäische Randlage ein Nachteil. Dem stehen niedrigere Personalkosten gegenüber. Auch besteht größere Flexibilität bei Entlassungen, Neueinstellungen und Arbeitszeiten.

Für Rüsselsheim spricht, dass GM erst vor wenigen Wochen dem dortigen Opel-Entwicklungszentrum die weltweite Verantwortung für die Epsilon-Plattform übertragen hat. Auf dieser Plattform beruhen die beiden europäischen Mittelklassemodelle von Saab und Opel.

"Es macht durchaus Sinn, wenn am Entwicklungsstandort eines solchen Modells auch die Produktion angesiedelt ist", zitiert die "Financial Times Deutschland" Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster. Damit hatte der Europa-Vizechef von GM, der zuvor an der Spitze von Opel stand, seine Präferenz für Rüsselsheim ausgesprochen.

Nachteil Opel: Hohe Personalkosten

Größter Malus von Rüsselsheim sind die Personalkosten. Opel-Chef Hans Demant hat deswegen jüngst einen Katalog vorgelegt, mit dem er das Werk wettbewerbsfähig machen will. So soll sich die Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden pro Woche erhöhen. Bezahlt werden sollen aber nur 35 Stunden.

Weitere Punkte seien der Verzicht auf Tariferhöhungen bis 2009 und die Kürzung von Weihnachts- und Urlaubsgeld. In den Vorschlägen ist auch von einer Erhöhung der Fließbandgeschwindigkeiten die Rede. Außerdem könnten Extrazahlungen oder Zulagen bei Sonderschichten zur Disposition gestellt werden.

Beobachter sehen in dem Katalog den Schlüssel für einen Zuschlag zu Gunsten von Rüsselsheim. "Sollten Demants Forderungen erfüllt werden, hätte Opel die Produktion sicher", sagt etwa Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte an der Fachhochschule Gelsenkirchen.