Opel Schwere Zeiten für Rüsselsheim

GM will offenbar eine Produktion in Europa schließen. Zur Disposition stehen die Saab-Fertigung in Trollhättan und Opel in Rüsselsheim. Der europäische Gesamtbetriebsrat bezeichnet die Situation als "ernst".

Hamburg/Göteborg - General Motors (GM)  will in Europa offenbar einen Standort schließen. Nach Angabe der schwedischen Metallergewerkschaft will der US-Konzern spätestens Anfang 2005 entscheiden, ob die Nachfolgemodelle des Opel Vectra und des Saab 9-3 im deutschen Rüsselsheim oder in der Saab-Zentrale Trollhättan bei Göteborg produziert werden.

Fest steht demnach, dass GM beide Modelle der gehobenen Mittelklasse auf einer Plattform und nur an einem Ort fertigen will. Der anderen Produktion könnte dann das Aus drohen. Klaus Franz, Vorsitzender des europäischen GM-Betriebsrates und zugleich Gesamtbetriebsratschef von Opel, bezeichnete die Pläne gegenüber manager-magazin.de als "ernst".

Die europäischen GM-Betriebsräte tagen derzeit in Trollhättan. Mit einer Erklärung der Arbeitnehmervertreter ist am Freitag zu rechnen.

"Rüsselsheim oder Trollhättan"

Die Schweden jedenfalls haben den GM-internen Wettkampf bereits begonnen. Unter der Schlagzeile "Rüsselsheim oder Trollhättan" wandte sich die Gewerkschaft an die Belegschaft. "Wir müssen unsere Vorteile vorzeigen. Es ist wichtig, dass wir alle bei Saab dabei mithelfen, dass wir eine konkurrenzkräftige Alternative darstellen", zitiert die Nachrichtenagentur DPA den Gewerkschaftschef Paul Åkerlund.

Die Betriebsgewerkschaften wollen mit dem örtlichen Management in Trollhättan zusammenarbeiten, um die eigene Produktionsanlage als "bessere Alternative für GM zu präsentieren". Åkerlund forderte alle Beschäftigten bei der schwedischen GM-Tochter Saab zur Mithilfe auf, um die jetzt anstehende Herausforderung zu bewältigen. "Wir müssen zeigen, dass wir durch Investitionen in erhöhte Kapazitäten 60 Autos pro Stunde produzieren können."

Vorteil für Rüsselsheim

Beobachter stützen die Schließungspläne von GM. Der US-Autokonzern kommt einer Studie des Brancheninstituts B&D Forecast zufolge um eine Werksschließung in Europa nicht herum.

Die Produktion von Mittelklasse-Fahrzeugen ist demnach der große Verlustbringer. "Die GM-Europe Problemkinder sitzen in Rüsselsheim und Trollhättan. In beiden Werken betragen die Kapazitätsauslastungen unter 60 Prozent", sagte B&D-Chef Ferdinand Dudenhöffer am Freitag. Beide Werke könnten nur durch nachhaltige Sanierung die Verlustzone verlassen.

Allerdings gibt es Argumente die für Rüsselsheim sprechen. Erst vor wenigen Wochen habe GM dem Opel-Entwicklungszentrum, das auch in Rüsselsheim sitzt, die weltweite Verantwortung für die Epsilon-Plattform übertragen, heißt es in einem Bericht der "Financial Time Deutschland". Auf dieser Plattform beruhen die beiden europäischen Mittelklassemodelle von Saab und Opel.

"Es macht durchaus Sinn, wenn am Entwicklungsstandort eines solchen Modells auch die Produktion angesiedelt ist", hatte Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster im Juli gesagt. Damit hatte der Europa-Vizechef von GM, der zuvor an der Spitze von Opel stand, seine Präferenz für Rüsselsheim ausgesprochen.

Auf dem Weg zum Politikum

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat unterdessen den Erhalt des Opel-Standortes in Rüsselsheim gefordert. Die Planungen des Automobilkonzerns General Motors, die nächste Generation der Mittelklassemodelle von Opel und Saab an nur noch einem Standort in Europa zu produzieren, dürften das moderne Werk in Rüsselsheim nicht in Gefahr bringen, erklärte Koch am Freitag in Wiesbaden. "Die hessische Landesregierung und ich persönlich treten gemeinsam mit den Arbeitnehmern dafür ein, den Standort zu sichern."

Nach Angabe von GM Europe sind in Trollhättan 3200 Mitarbeiter beschäftigt. Bei Opel in Rüsselsheim sind es 5600. GM steht in Europa unter Handlungsdruck. Seit vier Jahren schreibt der Bereich rote Zahlen. Im ersten Quartal 2004 erwirtschaftete die Dependance einen Verlust von 116 Millionen Dollar. Zuletzt hatte die US-Mutter das Ziel aufgegeben, dort noch 2004 in die Gewinnzone zurückkehren zu können.