WestLB Von Hochzeiten und Trennungsfällen

200 Millionen Euro für ihr Paket an Klöckner & Co. kann die Landesbank angeblich kurzfristig einfahren - vier Bieter sollen in der engeren Wahl sein. Enger zusammenarbeiten will die Düsseldorfer Bank mit der HSH Nordbank - das bestätigten beide Vorstandschefs.

Düsseldorf/Hamburg - Gerüchte über einen Verkauf der WestLB-Beteiligung von 26,86 Prozent an der HSH Nordbank wies die Hamburger Bank zurück. "Die WestLB hält an ihrem Anteil fest", so Vorstandschef Alexander Stuhlmann. WestLB-Chef Thomas Fischer habe soeben die gute Zusammenarbeit beider Häuser unterstrichen. Eine engere Kooperation sei nicht ausgeschlossen.

Fischer hatte die Hoffnungen auf große Kooperationsprojekte im Landesbankensektor zuletzt gedämpft. "Es gibt noch die Arbeitsgruppen, aber es gibt vor allem die bilateralen Kooperationen und Gespräche. Die, die miteinander können, werden dies auch tun", sagte Fischer.

Nicht kommentiert wurde seitens der WestLB, dass bereits ein Kreis von vier Bietern für den geplanten Verkauf ihres 95-prozentigen Anteils am Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co ausgewählt sei. Ein Sprecher bekräftigte aber frühere Angaben von Bankchef Fischer, dass der Verkauf möglichst in diesem Jahr über die Bühne gehen solle. Die "Financial Times Deutschland" schreibt in ihrer Donnerstagsausgabe, die Bank verhandele mit weniger als fünf Interessenten.

Weltgrößte Stahlkonzerne zeigen Interesse

Ein potenzieller Bieter für das Aktienpaket sei der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor . Ein Arcelor-Sprecher bestätigte der Zeitung: "Wir erwarten, dass wir an dem Verkaufsprozess teilnehmen werden." Arcelor arbeite bereits seit langem als Zulieferer mit Klöckner zusammen. Der Stahlhändler setzt rund 3,8 Milliarden Euro um und hat 10.000 Beschäftigte.

Daneben haben laut "FTD" auch Finanzinvestoren wie etwa Dubilier & Rice (CD&R) und Clayton Interesse an Klöckner & Co. Die Beteiligungsgesellschaft stehe allerdings nicht in der ersten Reihe, zitiert die Zeitung Finanzkreise. Der drittgrößte europäische Stahlhersteller Corus und ThyssenKrupp  gehören dem Bericht nach nicht zum Kreis möglicher Bieter.

Bis Ende September solle der Datenraum stehen, damit die eingehende Prüfung der Bücher von Klöckner & Co zügig vonstatten gehen könne. Begleitet werde der Verkauf von der Investmentbank Merrill Lynch, hieß es. Bei der WestLB steht Klöckner & Co mit rund 200 Millionen Euro in den Büchern. Ein Nettoverkaufserlös für die WestLB von mehr als 200 Millionen Euro und damit ein Buchgewinn gilt laut Bericht in der Branche als erreichbar.

Odeon ist so gut wie verkauft

Kurz vor dem Abschluss steht die Bank beim Verkauf ihres 43-Prozent-Anteils an der Kinokette Odeon. Das bestätigte WestBL-Sprecher Hans Obermeier. Die "Börsen-Zeitung" hatte berichtet, die WestLB werde ihren Anteil an der Kette an die britische Beteiligungsgesellschaft Terra Firma verkaufen. Das Londoner Unternehmen bestätigte, dass es das Anteilspaket in sein Portfolio aufnehmen werde - über den Preis wurde bisher jedoch noch nichts bekannt.

BDB und EU wollen Streit mit WestLB beenden

BDB will Milliardenstreit mit WestLB schnell beenden

Der seit Jahren dauernde Brüsseler Konflikt um milliardenschwere Rückzahlungen der WestLB soll rasch beigelegt werden. Es gebe "konstruktive Gespräche" der Beteiligten, um noch in der bis Ende Oktober laufenden Amtszeit von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti eine Lösung zu finden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Banken, Manfred Weber, am Donnerstag in Brüssel. Details zu den Verhandlungen zwischen seinem Verband, den betroffenen Landesbanken, der Kommission, dem Bundesfinanzministerium und den Länderfinanzministerien nannte Weber nicht.

Im Mittelpunkt des Konflikts steht eine Entscheidung der Kommission zur Subventionsrückzahlung von 808 Millionen Euro wegen der Eingliederung der nordrhein-westfälischen Wohnungsbauförderungsanstalt (Wfa) in die WestLB. Inklusive Zinsen geht es inzwischen um über zwei Milliarden Euro. Der Bundesverband Deutscher Banken hatte vor zehn Jahren mit einer Beschwerde bei der Kommission den Stein ins Rollen gebracht.

Renditesatz beeinflusst Strafmaß

Neue Verhandlungen waren nötig geworden, da das Luxemburger EU-Gericht in Erster Instanz der EU-Kommission im März 2003 zwar grundsätzlich bei ihrem Vorgehen im Fall WestLB Recht gegeben hatte, aber die Höhe des geforderten Renditesatzes für das staatliche Wohnbauvermögen nicht für ausreichend begründet hielt. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte 1992 seine Wfa auf den damals öffentlichen-rechtlichen Bankenriesen in Düsseldorf übertragen und nur eine geringe Verzinsung dafür erhalten. Brüssel sah darin eine Wettbewerbsverzerrung und forderte eine marktgerechte Verzinsung. Für die gewährten Vorteile in der Vergangenheit war die Millionen-Rückzahlung angeordnet worden.

Weber sagte, es sei erforderlich, dass die wettbewerbsverzerrende Beihilfe von der WestLB zurückgezahlt werde. Das Land könne der Bank das Kapital wieder zufließen lassen, aber unter marktgerechten Bedingungen. In die Verhandlungen sind auch mehrere andere Landesbanken eingebunden, gegen die die Kommission wegen ähnlicher Kapitaltransaktionen vorgegangen war.

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