Siemens Feindliche Übernahme in den Alpen

In Österreich geht die Angst vor Siemens um. Weil der deutsche Industriemulti den halbstaatlichen Mischkonzern VA Tech übernehmen und zerschlagen könnte, schrillen zwischen Wien und Bregenz die Alarmglocken.

Hamburg - Es sei kein Geheimnis, dass man prüfe, ob einzelne Aktivitäten der VA Tech für Siemens von Interesse sein könnten, erklärte die Siemens AG Österreich am Donnerstag in Wien. Es seien aber noch keine Beschlüsse gefasst.

Und so könnte die Übernahme aussehen: Siemens  und der österreichische Industrielle Mirko Kovats wollen bis zu 60 Euro je VA-Tech-Aktie bieten. Konkret solle der gebotene Preis um fünf Euro über dem Börsenkurs zum Zeitpunkt des Angebots liegen, die 60-Euro-Marke aber nicht überschreiten, berichtet das österreichische Nachrichtenmagazin "Format" vorab aus seiner aktuellen Ausgabe. Zudem seien weit gehende Arbeitsplatz- und Standortgarantien geplant, um politischen Widerständen entgegenzutreten.

Kovats hält über seine Beteiligungsgesellschaft Victory bereits indirekt 12,53 Prozent an der VA Tech, die Staatsholding ÖIAG ist mit 15 Prozent an dem Linzer Unternehmen beteiligt. 72,47 Prozent der 15 Millionen Aktien sind im Streubesitz.

Furcht vor der Filetierung

Der Großaktionär ÖIAG wurde von Victory am Donnerstag offiziell über Gespräche mit informiert. Es liege der ÖIAG derzeit aber kein konkretes Angebot vor, sagte eine Sprecherin der Staatsholding gegenüber manager-magazin.de. "Eine vom Unternehmen als feindlich beurteilte Übernahme samt einer eventuellen Zerschlagung des Unternehmens werden wir nicht unterstützen", hieß es weiter.

"Der Vorstand nimmt das sehr ernst. Wir gehen den Dingen nach", hieß es bei VA Tech. Die Verantwortlichen wollen rasch Gespräche mit Siemens über die Zukunft des Unternehmens führen.

Wohl gelitten sind die Deutschen nämlich nicht. Bereits Anfang des Jahres hatte Siemens den Einstieg bei VA Tech gemeinsam mit der österreichischen Andritz-Gruppe versucht, war aber gescheitert. Die Verhandlungen wurden im April beendet.

Sollte Siemens nämlich den Zuschlag erhalten, droht die Zerschlagung des VA-Konglomerats. An den Bereichen Metallverarbeitung und Gebäudeinfrastruktur dürften die Münchener kein Interesse haben. Spannender sind die Segmente Energieerzeugung und -übertragung. "Die Geschäfte dieser Sparten passen gut zu Siemens. Vor allem, weil Serviceteile dabei sind. Die will der Konzern ausbauen", urteilt Theo Kitz, Technologieanalyst bei Merck Finck.

Chancen für ein Politikum

Die Filetierung wäre ein Politikum. Mit 17.000 Arbeitsplätzen ist die teilstaatliche VA Tech einer der größten Arbeitgeber Österreichs. Gewerkschaften und Parteien protestieren energisch gegen die Siemens-Pläne. Sie fürchten den Abbau von Kapazitäten.

Die Alpenrepublik pocht daher auf den Erhalt des Konglomerats. Erst Mitte August hatte VA-Tech-Chef Klaus Sernetz sich zur Vierspartenstruktur bekannt und eine Kapitalerhöhung in Aussicht gestellt, um die Basis des angeschlagenen Unternehmens zu stärken. Der Plan wird von der Regierung in Wien ausdrücklich unterstützt.

Sernetz muss handeln, denn Überkapazitäten machen VA Tech zu schaffen. Ende August verabschiedeten sich die Verantwortlichen von dem Plan, 2004 schwarze Zahlen zu schreiben. Die Vorgabe verlegte der Konzernchef ins kommende Jahr. Dem will Siemens jetzt offenbar mit einer Komplettübernahme zuvorkommen.

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