Bestechungsskandal Korruption in Mainhattan

Ein Korruptionsskandal unbekannten Ausmaßes erschüttert die Frankfurter Bankenszene. Mindestens 40 Banker und Bauexperten sollen sich bei Immobiliengeschäften bereichert haben.

Frankfurt/Main - Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ihre Korruptionsermittlungen in der Frankfurter Banken- und Immobilienbranche erheblich ausgeweitet. Unter Verdacht stehen mehr als 40 Personen, darunter Freiberufler und leitende Angestellte von Immobiliengesellschaften, Fonds und Maklerfirmen, bestätigte die Ermittlungsbehörde am Donnerstag einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Sie sollen bei Grundstücksgeschäften und Bauvorhaben Schmiergelder in Millionenhöhe gezahlt oder angenommen haben.

"Wir haben eine umfangreiche Liste von Beschuldigten, von denen längst nicht alle wissen, dass sie drauf stehen", sagte einer der Ermittler. Zur Zahl der Selbstanzeigen wollte Behördensprecherin Doris Möller-Scheu nichts sagen.

Seit Juni sitzt der ehemalige Chef der Deutsche Bank-Immobilientochter Real Estate, Hans-Günter S., in Untersuchungshaft. Die Anklagebehörde bestätigte auch die Ermittlungen gegen den Frankfurter Architekten Dieter K. und den kürzlich fristlos entlassenen Michael K., bis vor wenigen Tagen Geschäftsführer der Deka Immobilien. Die Deka-Bank hatte den Rauswurf mit "Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten" begründet. Ein Deka-Sprecher bestätigte gegenüber manager-magazin.de, dass sein Haus eine interne Untersuchung eingeleitet habe und mit den Ermittlern kooperiere. Diese wollen K. nach eigenen Angaben "zeitnah" vernehmen.

Zur Höhe des angerichteten Schadens machte Möller-Scheu keine Angaben. Täglich kämen neue Erkenntnisse hinzu. Die Schmiergelder seien stets über fingierte Rechnungen wieder hereingeholt worden.

Ausgangspunkt für die Ermittlungen war der Fall eines Gebäudemanagers der Deutschen Bank, der in mehreren hundert Fällen für Arbeiten an einem Hochhaus Schmiergelder kassiert haben soll. Der "Edel-Hausmeister" war Anfang dieses Jahres zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nach Auskunft von Möller-Scheu läuft parallel ein Ermittlungsverfahren gegen Rainer H., den Vorstandsvorsitzenden der Göttinger Sparkasse.