Fiat Mehr Macht für Demel

Fiat Auto baut um. Gruppenchef Sergio Marchionne hat der schwächelnden Pkw-Sparte eine personelle Frischzellenkur verordnet. Größter Nutznießer ist Bereichsleiter Herbert Demel, der seine Kompetenzen auf die Marken Lancia und Alfa Romeo ausweitet.

Turin - Seit dem 15. November 2003 lenkt Herbert Demel die Autosparte von Fiat. Nun, nach noch nicht einmal einem Jahr, baut der Österreicher seine Machtposition deutlich aus.

Sergio Marchionne, Chef der Fiat-Gruppe, hat am Mittwoch seine Pläne zum Umbau der defizitären Autosparte vorgestellt. Mit der auf ein Team aus 28 Managern konzentrierten neuen Struktur sollen die Entscheidungsprozesse beschleunigt werden. Gleichzeitig werden die Geschäftseinheiten der Autosparte Fiat, Alfa Romeo und Lancia auf die reine Vertriebs- und Marketingfunktion beschränkt. Alle übrigen Bereiche wie etwa Produktion und Einkauf sollen künftig markenübergreifend zentral gesteuert werden.

Der frühere Audi- und Volkswagen-Manager und ausgewiesene Sanierungsprofi Demel solle in dieser Struktur die oberste Kontrolle erhalten, hieß es. Das Managerteam wird künftig direkt an ihn in seiner Funktion als General Manager berichten.

Der Mischkonzern Fiat steht bei seiner Autosparte unter Handlungsdruck. Während die Gruppe insgesamt zuletzt operativ den Sprung in die Gewinnzone schaffte, wies Fiat Auto ein Minus von 282 Millionen Euro nach einem Verlust von 234 Millionen im Vorjahr aus.

Angesichts der Schieflage wird Marchionne seinem Ruf als Manager mit neuem Stil gerecht und bricht bei der Neuausrichtung die alten Hierarchien auf. "Wir haben schnell reagiert, um eine effektivere und wettbewerbsfähigere Struktur aufzustellen", sagte der Unternehmenschef. "Wir haben damit ein Team geformt, das unter der Kontrolle von Herbert Demel von heute an für den kulturellen Umbau bei Fiat Auto und für alle unsere Erfolgsbemühungen zuständig sein wird", sagte Marchionne weiter.

Änderung der Unternehmenskultur

Bei der Planung der neuen Struktur hat der Konzern nach eigenen Angaben auf Ressourcen aus dem eigenen Konzern, aber auch auf Manager von außerhalb zurückgegriffen. Von den 28 Managern des neuen Führungsteams benannte Fiat am Mittwoch 24, die übrigen vier Posten sollen in den nächsten Wochen besetzt werden.

Den Plänen zufolge soll Demel selbst Interimsmanager bei der Marke Fiat werden und bis zu einer Nachfolgeregelung Aufsichtsfunktionen über die Vertriebs- und Marketingaktivitäten übernehmen. Der bisherige Verantwortliche für die Geschäftseinheit, Gianni Coda, wechselt den Angaben zufolge zum Einkaufs-Joint-Venture von Fiat mit General Motors .

Verantwortlicher für die Marke Lancia wird weiterhin Daniele Bandiera sein, Luca De Meo behält seinen Posten bei Alfa Romeo. Mit im Team ist auch der frühere Volkswagen-Manager Johan Wohlfarther, der Chef der Netzwerk- und Koordinierungs-Division werden soll. Zu den neuen Managern zähle auch Lapo Elkann, ein Enkel von Gianni Agnelli. Er werde für die Promotion aller drei Fiat-Auto-Marken zuständig sein, hieß es.

Marchionne beschwor mit der Auswahl des Teams auch eine Änderung der Unternehmenskultur. "Dieser Umbau von Management, Personal und Mentalität wird uns helfen, ein höheres Maß an Verständnis für Verantwortlichkeiten zu finden, aber auch eine schnellere Entscheidungsfindung und mehr Synergien zu entwickeln."

Mieser Absatz sorgt für Werkschließungen

Derweil hadert Fiat Auto weiter mit den Absätzen. Ende September schließt der Konzern für eine begrenzte Zeit zwei Werke. Grund sei die schwache Nachfrage im August, sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Betroffen sei für eine Woche das Werk Termini Imerese auf Sizilien, wo das Modell Punto hergestellt wird. Zwei Wochen ruhe der Betrieb in Cassino, hier werde der Stilo gebaut. Insgesamt seien 5000 Mitarbeiter von den Maßnahmen betroffen.

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