Energie Kartellamt will Preisspirale stoppen

Die Preise für Strom und Gas steigen kräftig - obwohl die Importpreise für Gas die Energieversorger keineswegs unter Druck setzen. Die Koppelung von Öl- und Gaspreis kommt die Verbraucher teuer zu stehen: Kartellamtschef Ulf Böge hält die Koppelung für nicht mehr zeitgemäß.

Berlin - Auf die Verbraucher in Deutschland kommen deutlich höhere Gas- und Strompreise zu. Zahlreiche Energieversorger wollen noch in diesem Herbst ihre Tarife anheben.

Der Essener RWE-Konzern plant zudem eine Erhöhung seiner Strompreise zum Jahresbeginn 2005. Auch Vattenfall prüft eine Stromverteuerung, der größte deutsche Stromkonzern E.ON schloss einen solchen Schritt nicht aus.

Der Präsident des Bundeskartellamts Ulf Böge sagte am Montag, es gebe eine Reihe von Ungereimtheiten bei den Gaspreisen. Die Koppelung von Gas- und Ölpreisen solle unter die Lupe genommen werden.

"Koppelung nicht mehr zeitgemäß"

Mit der "informellen Prüfung" reagiere das Bundeskartellamt auch auf Beschwerden. Die bestehende Koppelung von Gas- und Heizölpreisen, die vor über drei Jahrzehnten vereinbart wurde, ist nach Auffassung von Böge nicht mehr zeitgemäß. Inzwischen handele es sich um zwei verschiedene Märkte.

Die Essener Ruhrgas will wegen der hohen Ölpreise seine Gaspreise zum 1. Oktober erhöhen. Der Konzern hatte bereits eine Anhebung um 7 bis 8 Prozent anvisiert. Auch RWE kündigte zum 1. Oktober höhere Gaspreise an, nannte aber keine Zahl.

Regionale Unterschiede bis zu 30 Prozent

Der norddeutsche Versorger EWE AG erhöht zum 1. September für seine rund 700.000 Kunden den Gaspreis - pro Kilowattstunde steigt er um 0,46 auf 3,94 Cent einschließlich Mehrwertsteuer (plus 13,2 Prozent). Erdgasversorger von Magdeburg bis Südbayern planen Erhöhungen.

E.ON Hanse mit 480.000 Gaskunden im Norden peilt eine Anhebung zum 1. Oktober an, noch ohne das Ausmaß konkret anzugeben. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Preise im 4. Quartal steigen werden", sagte der Sprecher der Berliner Gasag. In Berlin werden mehr als 600 000 Haushalte beliefert.

Der Bund der Energieverbraucher (BEV) hat in einer Untersuchung festgestellt, dass die Gaspreise in Deutschland regional Unterschiede bis zu 30 Prozent aufweisen und die Anhebung der Gaspreise als "grotesk" bezeichnet. Der BEV ermittelte zwischen Oldenburg und Saarbrücken Unterschiede in der Gasrechnung für einen Haushalt von fast 300 Euro.

Importpreise steigen weniger stark

Das Kartellamt will vor allem prüfen, warum die Preissteigerungen für den Verbraucher deutlich höher liegen sollen als der Anstieg der Gasbezugspreise. "Wir wollen uns von den Unternehmen erörtern lassen, wie sie das beurteilen", sagte Sprecherin Anja Scheidgen. Erst danach werde entschieden, ob möglicherweise gegen die Gasversorger ein formelles Verfahren eingeleitet werde.

Der Gas-Importpreis soll für die Unternehmen im einstelligen Bereich wachsen, dagegen würden die geplanten Preissteigerungen für die Kunden im zweistelligen Prozentbereich wesentlich höher ausfallen.