Opel Mehr Tempo, weniger Geld

Minus- statt Nullrunde lautet das Motto von Opel-Chef Hans Demant. Er plant die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und will bis 2009 Gehaltserhöhungen verhindern. Zudem wird voraussichtlich kräftig bei den Zulagen gespart. Erhöht wird dagegen das Tempo der Produktionsbänder.

Rüsselsheim - Hans Demant will Zeichen setzen. Laut "Bild" sieht der Forderungskatalog des neuen Chefs vor, diverse Mitarbeiter-Privilegien auf den Prüfstand zu setzen.

So prüfe der Konzern, die Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden pro Woche zu erhöhen, aber nur 35 Stunden zu bezahlen. Dabei handele es sich um die Auflistung von Einsparpotenzialen, die der Vorstand am vergangenen Dienstag dem Betriebsrat vorgelegt habe, bestätigte ein Unternehmenssprecher.

Kürzung von Weihnachtsgeld, schnelleres Fließband

Weitere Punkte seien der Verzicht auf Tariferhöhungen bis 2009 und die Kürzung von Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Schichtzulagen.

In den Vorschlägen ist auch von einer Erhöhung der Fließbandgeschwindigkeiten die Rede. Außerdem könnten Extrazahlungen oder Zulagen bei Sonderschichten zur Disposition gestellt werden.

Verhandlungsfrist bis Ende Oktober

Eine Alternative sei, Tariferhöhungen bis 2009 nicht an die Beschäftigten weiterzugeben, sondern sie lediglich anrechnen zu lassen. Dies werde damit begründet, dass die Mitarbeiter der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern in vielen Fällen 15 Prozent über dem Branchenschnitt verdienten. Zudem gebe es Vorschläge, das Weihnachtsgeld zu kürzen und auf Zuschläge für Spät- und Nachtschichten zu verzichten. Opel leidet seit Jahren unter rückläufigen Absatzzahlen und verzeichnete zuletzt hohe Verluste.

Bereits am Mittwoch hatte die Arbeitnehmervertretung der deutschen Tochter von General Motors  mitgeteilt, dass Opel von der Belegschaft in den deutschen Werken weit gehende Zugeständnisse bei Einkommen und Sozialleistungen fordere. Auch bei den Arbeitszeiten solle es neuerliche Veränderungen geben. Details wurden jedoch nicht genannt.

Die Belegschaftsvertretung will in den Verhandlungen unter anderem einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis 2010 erreichen. Das Unternehmen soll das bestehende Einkommensniveau der Beschäftigten sowie die existierenden Tarifverträge garantieren. Die Gespräche mit dem Betriebsrat sollen bis Ende Oktober abgeschlossen sein.

Verhandlungen auch bei VW und DaimlerChrysler

Beim Konkurrenten Volkswagen strebt die IG Metall in den Mitte September beginnenden Verhandlungen über einen neuen Haustarif eine zehnjährige Bestandsgarantie für alle gut 100.000 Arbeitsplätze in den westdeutschen Werken an.

Ähnlich der kürzlich bei DaimlerChrysler getroffenen Vereinbarung über ein millionenschweres Sparpaket soll Volkswagen nach dem Willen der Gewerkschaft die Vergabe der Produktion von bestimmten Fahrzeugen, Komponenten und Aggregaten an bestimmte Werke zusagen, um die Arbeitsplätze zu garantieren. Dies lehnt der Wolfsburger Konzern jedoch ab.