KarstadtQuelle Familie Riedel verkauft Aktienpaket

Der Aktien-Pool der Familienerben kommt in Bewegung. Während Großaktionärin Madeleine Schickedanz ihren Anteil erhöht, gibt die Riedel Holding ein Aktienpaket ab. Das Szenario vom Einstieg eines Großinvestors ist damit aber nicht vom Tisch. Unterdessen dementiert der Konzern die Meldung, jede achte Filiale werde geschlossen.

Essen - Beim Handelskonzern KarstadtQuelle  hat sich die Eigentümerstruktur geändert. Wie das Unternehmen am Dienstag in Essen mitteilte, hat der Fürther Großaktionär Riedel Holding seinen Anteil von 12,24 auf 9,02 Prozent gesenkt.

Gleichzeitig wurde gemeldet, dass der Pool Madeleine Schickedanz seinen Anteil von 36,40 auf 41,55 Prozent der Stimmrechte erhöht hat. Ob für diese Aufstockung um 5,15 Prozent der Anteile auch das 3,22-Prozent-Paket von Riedel gekauft wurde, wollte ein Unternehmenssprecher gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren.

Der Anteil des Streubesitzes an KarstadtQuelle ist nach den Veränderungen im Aktionärskreis auf 29,2 Prozent von 31,2 Prozent gesunken. Dies deutet auf einen direkten Verkauf von Riedel an Schickedanz hin, denn eine Veränderung der Anteile der beiden verbleibenden Großaktionäre, Allianz (10,5 Prozent)  und unternehmenseigene Aktien (9,7 Prozent) wurde nicht gemeldet. Auf der KarstadtQuelle-Website waren die Veränderungen im Eignerkreis am Dienstagabend noch nicht aktualisiert.

Middelhoffs Private-Equity-Gesellschaft bietet nicht mit

Bereits im Juni hatte das manager magazin berichtet, dass eine Investorengruppe die Anteile von Riedel und der Allianz aufkaufen wolle. "Große deutsche Vermögen" hätten, wie manager magazin aus dem Umfeld der Eigner erfuhr, "ihre Interessen gebündelt" und bereits "in nennenswertem, aber noch nicht meldepflichtigem Umfang" Aktien von KarstadtQuelle gekauft.

Es handele sich dabei jedoch nicht um die Private-Equity-Gesellschaft Investcorp, deren Europa-Chef Thomas Middelhoff inzwischen den Aufsichtsratsvorsitz bei dem Essener Warenhaus- und Versandhandelskonzern übernommen hat, berichtete das manager magazin weiter.

Durch die veränderte Aktionärsstruktur ist der mögliche Einstieg des Investors nicht vereitelt. So steht der Anteil der Allianz nach wie vor zum Verkauf. Zusammen mit dem verbleibenden Aktienpaket der Riedels, die nach der am Dienstag bekannt gewordenen Transaktion noch gut 9 Prozent der KarstadtQuelle-Anteile halten, wäre erst recht eine relevante Größenordnung für einen möglichen Investor erreicht.

Warum verkaufte Riedel?

Warum verkaufte Riedel das Aktienpaket?

Die Riedel Holding erklärte allerdings am Dienstag, dass sie auch künftig "nennenswert" an KarstadtQuelle beteiligt bleiben werde. Das sagte Geschäftsführer Karl-Heinz Hörmann der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. "Wir wollen von künftigen Wertsteigerungen bei KarstadtQuelle profitieren, die wir durchaus sehen", fügte er hinzu.

Zum genauen Umfang der künftigen Beteiligung und zur Dauer des Engagements wollte Hörmann sich nicht äußern. Auch die Frage nach dem Verbleib der abgegebenen Anteile an KarstadtQuelle ließ er offen.

Als Grund für den Verkauf des Aktienpakets (3,22 Prozent der Gesamtanteile) habe der Mitgesellschafter Riedel erklärt, dass "die bisherige Beteiligungsquote nach der Realteilung der Schickedanz-Gruppe keinen strategischen Einfluss auf KarstadtQuelle ermöglichte". Die angesprochene Realteilung erfolgte aber bereits vor etwa drei Jahren. Beobachtern zufolge gibt der Anteilsverkauf der Riedels den Szenarien über größere Änderungen in der Eigentümerstruktur nun neue Nahrung.

Ingo Riedel ist der Ehemann von Margarete Riedel, einer Nichte von Madeleine Schickedanz. Diese ist die Tochter der Quelle-Gründer Gustav und Grete Schickedanz und zählt zu den reichsten Personen in Deutschland. Das Erbe von Madeleine Schickedanz' verstorbener Halbschwester Louise Dedi traten Ingo und Margarete Riedel an. Den Oberhäuptern der beiden Familienstämme, Madeleine Schickedanz und Ingo Riedel, der seit vielen Jahren im Aufsichtsrat von KarstadtQuelle sitzt, wird ein kontroverses Verhältnis nachgesagt.

Merkel: Schnelle Schließungen wären uneffizient

Der neue Vorstandsvorsitzende Christoph Achenbach kommt vom Quelle-Konzern und gilt als Vertrauter des Hauptaktionärs. Wie es in der Mitteilung vom Dienstag heißt, unterstützen alle drei Großaktionäre die vom Vorstandsvorsitzenden Christoph Achenbach eingeleitete Restrukturierung. KarstadtQuelle will mit einem harten Sparkurs auf die schlechte Geschäftsentwicklung reagieren.

Einer Vorabmeldung des "Stern" zufolge plant KarstadtQuelle, 25 seiner 180 Filialen zu schließen. KarstadtQuelle-Personalvorstand Helmut Merkel, der auch den stationären Einzelhandel verantwortet, wolle allerdings erst Ende September bekannt geben, welche Warenhäuser betroffen seien. Ein Unternehmenssprecher sagte am Mittwochmorgen hingegen auf Anfrage, der Konzern habe kein "Programm zur Filialschließung".

Allerdings wird der Wille zu Schließungen nicht grundsätzlich bestritten. Der Prozess könne sich über drei bis fünf Jahre hinziehen, da die meisten Immobilien dem Unternehmen gehörten und ohne teure Umbauten nicht zu verkaufen oder zu vermieten seien. Ein Unternehmenssprecher der Warenhaussparte bekräftigte gegenüber manager-magazin.de, dass ein seit langem gültiger Grundsatz Merkels auch künftig unverändert gelte: "Bei einer schnellen Schließung wären die Vermögensschäden größer als die Verluste, die das Kaufhaus einfährt."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.