Arbeitszeit Auch bei Bosch rumort es

Bei Bosch streiten Management und Mitarbeiter um Personalkosten. Nun hat sich der Mischkonzern mit dem Gesamtbetriebsrat auf einen Sparplan geeinigt. Allerdings müssen die Belegschaften an den Standorten noch zustimmen. Vor Ort aber regt sich Widerstand.

Stuttgart/Lyon - Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, werden die Personalkosten jährlich um rund sieben Millionen Euro reduziert. Im Gegenzug erklärt sich Bosch bereit, für drei Jahre auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Die Vereinbarung ist auf die deutschen Fertigungsstandorte für Elektrowerkzeuge mit Schwerpunkt im baden-württembergischen Leinfelden beschränkt. In den vergangenen Monaten hatte es erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Management und Belegschaft in dieser Sparte gegeben, weil Bosch die Produktion aus Kostengründen teilweise ins Ausland verlagern wollte.

Rund die Hälfte der sieben Millionen Euro spart die Belegschaft der Werkzeugsparte ein, indem künftig die erfolgsabhängige Zusatzvergütung nicht mehr gezahlt wird. Der Rest ergibt sich aus dem Verzicht auf übertarifliche Lohnbestandteile der 1400 Beschäftigten am Standort Leinfelden.

"Der Tarifvertrag wurde nicht angetastet", sagte Alfred Löckle, Geschäftsführer des Bosch-Gesamtbetriebsrats, gegenüber manager-magazin.de. Die geplante Einführung der 40-Stunden-Woche sei vom Tisch.

Widerstand in der Belegschaft

"Wir sind nicht 100-prozentig sicher, ob der Kompromiss an den Standorten angenommen wird", schränkte Löckle ein. Die Mitarbeiter in den Werken Murrhardt und im sächsischen Sebnitz müssten den Plan noch absegnen. Dabei drohe Ärger. Zwar gelte der Verzicht auf die erfolgsabhängige Zusatzvergütung auch für das mittlere Management. "Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Geschäftsleitung vor Ort gefragt wird, welchen Teil sie zum Sparplan beiträgt", kündigte Löckle an.

Innerhalb des Gesamtkonzerns gibt es zudem weitere Probleme. Noch keine Einigung gibt es für das Bosch-Werk in Feuerbach, in dem künftig Dieselruß-Partikelfilter gefertigt werden könnten. Dem Betriebsrat zufolge macht die Unternehmensleitung dies von einem Lohnverzicht von 17,5 Millionen Euro abhängig. Eine Konzern-Sprecherin sagte dazu lediglich, die Verhandlungen liefen weiter.

Einigung in Frankreich

Einigung in Frankreich

Erfolgreich war Bosch bei der Kostensenkung hingegen in Frankreich. Die Beschäftigten des Werks bei Lyon haben angesichts einer drohenden Verlagerung fast einstimmig für Mehrarbeit ohne Lohnausgleich gestimmt. Bosch verzichtet im Gegenzug darauf, die Produktion von Dieselpumpen nach Tschechien zu verlegen.

Damit schaffte der Konzern gleichsam eine Premiere: Eine Vereinbarung über Mehrarbeit ohne Lohnausgleich ähnlich wie in Deutschland gab es dort bislang nicht.

Der französische Haushalts-Staatssekretär Dominique Bussereau hat diese Praxis mit Blick auf den jüngst bei Siemens  erzielten Kompromiss als eine "ziemlich schreckliche Erpressung" bezeichnet. Die französische Regierung würde es nach Bussereaus Worten nicht zulassen, dass eine Unternehmensleitung wie Siemens in Deutschland sagt, "entweder ihr akzeptiert das oder wir hauen ab und machen die Fabrik dicht".

Eine unter solchen Bedingungen getroffene Vereinbarung sei unannehmbar und sehr hart für die Beschäftigten, sagte der Staatssekretär am Montag dem französischen Radiosender France Inter, "ohne mich in die Angelegenheiten unserer deutschen Nachbarn einmischen zu wollen". Er fügte aber auch hinzu, dass die Regierung nichts unternehmen werde, wenn Beschäftigte und Unternehmensleitung sich betriebsintern einigten.

Auch der französische Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Sarkozy hatte kürzlich die Einigung bei Siemens als "Erpressung" bezeichnet, die "so in Frankreich nicht möglich wäre".