Opel "Wir wollen nicht alles in Polen fertigen"

Die deutschen Opel-Beschäftigten sollen nach dem Willen der Konzernführung einen kräftigen Beitrag zur Kostensenkung leisten. GM-Europe-Vize Carl-Peter Forster kündigte Sparmaßnahmen an und lehnte zugleich einen Beschäftigungspakt ab. Immerhin: Der Opel-Astra verkauft sich glänzend.

Hamburg - "Die Lohnstückkosten bei Opel müssen im zweistelligen Prozentbereich sinken", sagte Carl-Peter Forster, stellvertretender Europa-Chef der Opel-Mutter General Motors , am Mittwochabend in Hamburg. Er forderte Einsparungen von über 100 Millionen Euro pro Jahr von den rund 35.000 deutschen Opel-Beschäftigten.

Genaue Sparforderungen an die Belegschaft stellte Forster nicht. Einzelheiten würden mit dem Betriebsrat verhandelt. Der Manager nannte allerdings Beispiele: So könnten Überstunden ohne Zuschläge geleistet werden, die Auslastung könnte ohne höhere Arbeitskosten angehoben werden. "Wir haben ein paar Ideen", sagte er Und ergänzte dann: "Wir haben nicht die Vorstellung, es müssten nun wieder 40 Stunden gearbeitet werden."

Keine Chance für den Beschäftigungspakt

Forster machte gleichzeitig aber klar: "Einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen würde ich nicht unterschreiben." Die Chancen für einen Beschäftigungspakt, in dem der Konzern sich zum Verzicht Personaleinschnitte entschließen würde, tendieren damit gegen null.

Laut Forster wird Beschäftigung dadurch gesichert, dass die hiesigen Standorte billiger produzieren. "Wir sind in unseren deutschen Werken in den Stückkosten nicht wettbewerbsfähig", sagte er.

Forster erinnerte daran, dass Opel weltweit das kommende GM-Mittelklassemodell als Vectra-Nachfolger verantworten wird, was eine Jahresproduktion von einer Million Autos bedeute. Falls die Investition dafür in das Werk Rüsselsheim gehe, würde das Arbeitsplätze sichern. "Wir wollen gar nicht alles in Polen fertigen", merkte er an. Eine Lösung mit dem Betriebsrat müsse aber "über Jahre tragen."

"Sensationell viele Astra-Aufträge"

Die Europa-Töchter rücken zusammen

Forster war vor wenigen Wochen vom Opel-Chef zum zweiten Mann von GM in Europa aufgestiegen. Er soll dafür sorgen, dass die Verlustbringer Opel und Saab wieder in die schwarzen Zahlen kommen.

In der Opel-Belegschaft in den Werken Rüsselsheim und Bochum herrscht seit Wochen Verunsicherung wegen des Sparkurses. Das Hauptwerk Rüsselsheim mit 20.000 Beschäftigten ist mit der Vectra-Produktion nur zu 70 bis 80 Prozent ausgelastet, sagte Forster. Das Werk in Eisenach gilt dagegen als Vorzeige-Fabrik und produziert billiger.

Forster machte erneut klar, dass die europäischen GM-Töchter Opel und Saab viel enger zusammenwachsen sollen. Die Trennung zwischen Werken werde aufgehoben: "Es gibt in Zukunft GM-Werke."

Außerdem sollen viel mehr gleichartige Teile in Autos beider Marken eingebaut werden, um billiger einkaufen zu können. Forster: "Wir können uns Ineffizienzen nicht mehr erlauben, wir müssen uns auf der Kostenseite besser aufstellen." Auch im Vertrieb sollen Opel, Saab und möglicherweise die GM-Tochter Daewoo enger zusammenarbeiten. Wegweisend in dieser Hinsicht war die Veranstaltung in Hamburg: Zum ersten Mal stellten Opel, Saab und Daewoo dort zusammen drei neue Modelle vor.

"Sensationell viele Astra-Aufträge"

Opel-Verkaufschef Uhland Burkart wies unterdessen auf den großen Erfolg des im März eingeführten neuen Opel-Astra hin: "Es gibt sensationell viele Aufträge", sagte er und nannte die Zahl 160.000. Laut Forster wird der für 2004 geplante Absatz von 200.000 Astra übertroffen, obwohl erst ein Modell im Markt ist und der Kombi noch folgt.

Insgesamt will Opel 1,7 Millionen Autos in Europa absetzen und den Marktanteil auf über 10 Prozent steigern. Die Chance, dass Opel nach Jahren der Verluste 2004 Gewinn macht, nannte Forster "schwierig".