Autoindustrie Kontrolle statt Konstruktion

Schon heute werden zwei Drittel der Wertschöpfung beim Pkw-Bau von Zulieferern und Dienstleistern erbracht. Dieser Trend dürfte sich einer aktuellen Studie zufolge in den kommenden Jahren noch verstärken. Selbst bei Karosserie und Motor werden Volkswagen & Co. demnächst noch mehr Kompetenzen abgeben.

München - Wenn in der aktuellen Diskussion um die Zukunft der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie gestritten wird, richten sich die Objektive der Kameras gerne auf die Produktionsstätten der großen Hersteller. Das VW-Werk in Wolfsburg oder die Mercedes-Fertigung in Sindelfingen haben halt Symbolcharakter für den Autostandort Deutschland.

Doch auch hier zu Lande findet mittlerweile ein Großteil der Wertschöpfung beim Pkw-Bau nicht mehr bei Volkswagen  oder DaimlerChrysler  statt, sondern bei den Zulieferern und externen Dienstleistern. Laut einer Studie des Managementberaters Mercer steuern diese bereits knapp zwei Drittel zur weltweiten Wertschöpfung bei den so genannten Leichtfahrzeugen von jährlich rund 650 Milliarden Euro bei.

Ein Trend, der sich laut Mercer fortschreiben wird. So erwarten die Experten bis 2015 einen Anstieg des Anteils der externen Wertschöpfung auf 77 Prozent. Der Anteil der Hersteller würde demnach auf unter ein Viertel zusammenschrumpfen. Die Verschiebung der Gewichte wird umso deutlicher, wenn man bedenkt, dass die Jahresproduktion von Leichtfahrzeugen im gleichen Zeitraum um rund 35 Prozent auf dann 76 Millionen Stück angestiegen sein dürfte.

In ihrer Studie "Future Automotive Industry Structure 2015" gehen die Mercer-Consultants Christian Kleinhans und Jan Dannenberg daher davon aus, dass die Hersteller sich immer stärker zu "Hightech-Markenartiklern" entwickeln werden. Schwerpunkte sind daher künftig das Markenmanagement, Fahrzeugdesign und -konzepte sowie die Entwicklung von Servicestrategien.

Auch die Produktion des Herzstücks wird ausgelagert

Beim Interieur der Fahrzeuge beträgt der Anteil der Zulieferer an der Wertschöpfung schon heute 86 Prozent. Auch beim Fahrwerk (85 Prozent) und der Elektrik/Elektronik (84 Prozent) haben sich die Hersteller bereits weitestgehend zurückgezogen.

Da die externen Wertschöpfer künftig verstärkt auch die Bereiche Karosserie (41 Prozent), Motor (64 Prozent) und Exterieur (71 Prozent) abdecken werden, wächst vor allem bei Massenherstellern der Steuerungsbedarf. Hierbei spielen neben der Markenpflege auch Kostengesichtspunkte und Risikoverteilung eine entscheidende Rolle. Aber auch Know-how-Verlust und Beschäftigungsaspekte sind zu beachten.

Laut Mercer wird das Wachstum bei den Zulieferern und Dienstleistern vor allem in Europa stattfinden. Trotzdem gewinnen China und Indien als Entwicklungs- und Produktionsstandorte stark an Bedeutung. Hinzu kommt, dass die Verschiebung der Wertschöpfung auch bei den Zulieferern nicht ohne Folgen bleiben dürfte. Nicht zuletzt auf Grund eines deutlich erhöhten Investitionsbedarfs prognostizieren die Experten eine Halbierung ihrer Anzahl.

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