DaimlerChrysler Heiße Woche in Sindelfingen

Im Streit um geringere Kosten sind die Positionen bei DaimlerChrysler verhärtet. Das Management beharrt auf Einsparungen, während der Betriebsrat mit Protestaktionen droht. Schon am Wochenende hatten die Arbeitnehmer die Produktion in Sindelfingen lahm gelegt.

Stuttgart - DaimlerChrysler  will die Produktion der neuen C-Klasse von Sindelfingen nach Bremen und Südafrika verlagern, falls keine Einigung mit dem Betriebsrat über eine Kostensenkung von 500 Millionen Euro pro Jahr erreicht wird. Dies sagte Mercedes-Pkw-Chef Jürgen Hubbert am Montag in Stuttgart.

"Wenn in Sindelfingen die neue C-Klasse nicht gebaut wird, gehen rund 6000 Arbeitsplätze verloren", ergänzte Personalvorstand Günther Fleig. Die Kosteneinsparungen müssten im Jahr 2008/09 erreicht sein.

Der Konzern will unter anderem Einmalzahlungen bei der Einführung des Entgelt-Rahmtentarifvertrags 2006 und Schichtzuschläge streichen sowie Ruhezeiten abbauen. Hubbert betonte, dass die Sicherung der Beschäftigung in Deutschland Priorität habe. Insbesondere der Standort Sindelfingen mit seinen höheren Zuschlägen, großzügigeren Pausenregelungen und einer höheren Zahl von Feiertagen sei momentan aber zu teuer.

"Wenn wir die baden-württembergische Krankheit nicht beseitigen, wird es zu einem massiven Arbeitsplatzabbau kommen", sagte Hubbert. Eine völlige Verlagerung der Produktion der neuen C-Klasse aus Deutschland sei aber nicht geplant.

"Verrohung der Sitten"

Die IG Metall hat die Drohung postwendend zurückgewiesen. Der Sprecher des IG-Metall-Bezirks Baden-Württemberg, Frank Stroh, sprach von einer "Verrohung der Sitten bei deutschen Großkonzernen". Obwohl im Pkw-Bereich "satte Gewinne" eingefahren würden, schrecke der Stuttgarter Automobilkonzern offenbar nicht davor zurück, "die Belegschaft mit den Arbeitsplätzen zu erpressen", sagte Stroh der Nachrichtenagentur AFP.

Damit scheinen die Fronten zwischen Management und Betriebsrat weiter verhärtet. Die Auseinandersetzungen erreichten am Samstag einen ersten Höhepunkt, als 12.000 Beschäftigte im Pkw-Werk Sindelfingen ihre Arbeit nicht antraten und es zu Produktionsausfällen kam.

DaimlerChrysler-Vorstand Fleig kritisierte unterdessen in einem Schreiben an den Gesamtbetriebsrat die Aktionen. Auf Grund bestehender Tarifverträge herrsche Friedenspflicht, sagte Fleig.

"Allein die Ankündigung des Unternehmens, ein bestimmtes Produkt nicht fertigen zu können, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind, berechtigt weder die IG Metall noch erst recht den Betriebsrat, Arbeitsniederlegungen zu produzieren", zitiert die Nachrichtenagentur AP aus dem Schreiben. Für Schäden, die durch unrechtmäßige Aktionen entstehen, haften die Verantwortlichen", erklärte Fleig.

IG Metall pocht auf 35-Stunden-Woche

Der stellvertretende IG-Metall-Chef Berthold Huber lehnte unterdessen längere Arbeitszeiten ab und hat die Ausnahmeregelung bei Siemens  als Einzelfall bezeichnet. "Unser Gravitationszentrum bleibt die 35-Stunden-Woche", sagte Huber der "Süddeutschen Zeitung".

Branchenlösungen nach dem Siemens-Muster - dort wurde in einigen Werken die 40-Stunden-Woche eingeführt - wird es mit der IG Metall nicht geben. "Weder für andere Siemens-Standorte noch für das Sparbemühen bei DaimlerChrysler oder die Probleme der Haushaltgerätehersteller wird die Siemens-Lösung eine Blaupause sein", sagte Huber.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.