M&A-Geschäft "Deutschland bleibt viel versprechend"

Nach Ansicht von Thomson Financial hat der deutsche Markt für Fusionen und Übernahmen noch viel Luft nach oben. Ein verheerendes Zeugnis stellte der Finanzinformationsdienst den hiesigen Abwicklern aus. Bis auf die Deutsche Bank seien diese im M&A-Geschäft nur noch "Schatten ihrer glorreichen Vergangenheit".

London - Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen ist nach Ansicht des Finanzinformationsdienstleisters Thomson Financial weiter ausbaufähig. "Deutschland bleibt einer der viel versprechendsten Märkte in Europa", sagte der für das Übernahme- und Akquisitionsgeschäft (M&A) zuständige Direktor Henry Gibbon im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA-AFX.

Im ersten Halbjahr 2004 hatte der Dienstleister "mäßige Verbesserungen" im deutschen Geschäft beobachtet, die Aktivitäten hier zu Lande jedoch als "schleppend" beurteilt. Während der ersten sechs Monate wurden Übernahmen und Fusionen (M&A) im Wert von 11,554 Milliarden Dollar in Deutschland getätigt - im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 9,022 Milliarden Dollar. "In Deutschland sind ziemlich viele Deals in Vorbereitung", sagte Gibbon. Es gehe langfristig aufwärts.

Generell sei das Problem im internationalen Vergleich, dass zwar viele Transaktionen angekündigt, aber wenige nur wirklich ausgeführt würden. In Europa hatte Deutschland bei Merger & Acquisitions einen Marktanteil von 11,4 Prozent, das sind 2,8 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Deutschland nahm damit den Angaben zufolge den dritten Platz in Europa ein hinter Frankreich (34,1 Prozent) und Großbritannien (24,3 Prozent).

Übernahmepotenzial im Bankenbereich

Potenzial für mögliche Übernahmen und Fusionen sieht Gibbon neben der Schwerindustrie- und Autosektor sowie dem Bereich Verbrauchsgüter vor allem im deutschen Bankensektor. Gerade bei Sparkassen werde künftig mehr Konsolidierung nötig sein. Vorstellbar sei gleichzeitig, dass große deutsche Banken international zu Übernahmeziele werden könnten.

Unbestrittener Vorreiter bleibt nach Ansicht des Experten die Deutsche Bank . Commerzbank , HypoVereinsbank  und Dresdner Bank spielten zwar in Deutschland eine wichtige Rolle, seien international jedoch weniger bedeutend, sagte Gibbon. "Sie sind sicher nur ein Schatten ihrer glorreichen Vergangenheit."

Er verwies darauf, dass der Konkurrenzdruck aus Asien und vor allem China die Wirtschaft zum Handeln zwinge. "Sie müssen wachsam und aktiv bleiben. Der Wettbewerb wächst", sagte Gibbon.

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