Commerzbank Mehr als nur Rosinenpicken

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hat nun doch Interesse an der gesamten BHF-Bank - mit Ausnahme der Deutschen Hypothekenbank - bekundet. Die Prüfung der BHF-Bücher hat bereits begonnen.

Berlin/Frankfurt am Main - "Wir prüfen mit Ausnahme der Deutschen Hypothekenbank die Übernahme der gesamten BHF-Bank, so wie sie sich heute als Institution darstellt", sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller am Donnerstag in Berlin am Rande einer CDU-Wirtschaftskonferenz.

Absicht sei, bei positivem Prüfungsergebnis ein Angebot zu machen. Ein "cherry picking" (Rosinenpicken), wie in Berichten unterstellt worden sei, sei nicht der Ansatz der Commerzbank .

Die Prüfung der BHF-Bücher (Due Diligence) habe diese Woche begonnen und werde vermutlich vier Wochen dauern. Es könne sich eine weitere genauere Prüfung anschließen. Im September werde dann voraussichtlich Klarheit über die Realisierbarkeit einer Übernahme bestehen. Dann würde die Commerzbank gegebenenfalls ein Angebot unterbreiten.

Die Deutsche Hypothekenbank sei einfach herauszulösen, da sie sich in separater juristischer Rechtsform befinde. Die Commerzbank habe keinen zwingenden Bedarf für einen Übernahme, unterstrich Müller.

Offen für weitere Übernahmen

Der Commerzbank-Chef ergänzte, auch nach einer BHF-Übernahme sei Deutschlands drittgrößte Bank "aufnahmefähig" für weitere Zukäufe, sofern der Preis stimme. "Wenn wir Dinge finden, die zu uns passen, die wir uns preislich gut vorstellen können, dann sind wir offen und handlungsbereit."

Müller hatte zuletzt mehrfach betont, kleinere Akquisitionen tätigen zu wollen. Erst Ende Februar hatte die Commerzbank das Filialgeschäft der Hofer SchmidtBank gekauft und damit ihr Privatkundengeschäft um rund zehn Prozent ausgeweitet.

Die deutsche ING-Tochter BHF-Bank gilt seit längerem als Sorgenkind des niederländischen ING-Konzerns , hatte zuletzt aber operativ wieder schwarze Zahlen geschrieben. Die ING könnte durch einen Verkauf ihre andere deutsche Tochter, die Direktbank DiBa, finanziell stärken. Die DiBa wächst mit hohem Tempo bei der Kundenzahl und hat für dieses Jahr zudem einen Gewinnsprung um mindestens zehn Prozent angekündigt.

Analysten hatten zuletzt einen Kauf von Teilen der ING BHF-Bank durch die Commerzbank als riskant eingeschätzt.

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