Yukos Eine Frage von Tagen?

Für den russischen Ölgiganten Yukos wird es eng. Am Donnerstag erschienen Gerichtsvollzieher in der Moskauer Zentrale und leiteten das Vollstreckungsverfahren ein. Die ausstehende Steuernachzahlung von knapp drei Milliarden Euro könnte zum Zusammenbruch des Konzerns führen.

Moskau - Unter dem Schutz von Leibwächtern betraten die Gerichtsvollzieher am Donnerstag für kurze Zeit die Yukos-Zentrale in Moskau. Unternehmens-Aktiva beschlagnahmten die Beamten nicht. Nach dem Eingreifen der Gerichtsvollzieher fielen die Yukos-Kurse an der Moskauer Börse zunächst um vier Prozent. Später erholte sich die Aktie wieder.

Das Finanzministerium beharrt offenbar weiter auf Zahlung der gesamten Steuerschuld von 2,81 Milliarden Euro. Ein Moskauer Berufungsgericht hatte am Dienstag das Urteil über die Steuernachzahlung für das Jahr 2000 bestätigt. Dem Konzern droht damit die Pleite.

Die Konzernführung hatte die Finanzbehörden wiederholt um Aufschub gebeten. Ein Yukos-Angebot über Zahlung einer Milliarde Euro bei Erlass der Restsumme blieb in dieser Woche unbeantwortet. Der zu den größten Ölförderern Russlands zählende Konzern hat nach eigenen Angaben nicht genug Barmittel zur Begleichung. Es blieb unklar, ob dem Konzern nur wenige Tage oder unter Umständen mehrere Wochen zur Zahlung bleiben.

Ein Moskauer Insolvenzexperte erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters das Yukos möglicherweise nur noch wenig Zeit bleibt: "Wenn binnen fünf Tagen nicht gezahlt wird, können die Behörden auf das Konzernvermögen zurückgreifen." Wenn sich die Steuerschuld damit nicht begleichen lasse, drohe die Insolvenz.

Jahresbilanz verschoben

Die Märkte bleiben skeptisch. "Unser Ausblick auf die Aktie bleibt weiter negativ, weil es keine Anzeichen für Verhandlungen zwischen den Behörden und Yukos gibt", schrieb die Moskauer Investmentgesellschaft Aton am Donnerstagmorgen. Yukos hat seine für den 30. Juni angekündigte Vorstellung der Jahresbilanz 2003 nach GAAP-Rechnungslegung auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der frühere Yukos-Konzernchef und Mehrheitseigner Michail Chodorkowski muss sich in Moskau wegen diverser Betrugsdelikte vor Gericht verantworten. Kreml-Kritiker sprechen von einem politischen Prozess gegen einen unbequem gewordenen Großunternehmer.

Seit Wochen wird in Russland über den Ausgang des Yukos-Falles spekuliert. Es gilt als wahrscheinlich, dass Chodorkowski die Mehrheit am Konzern verlieren wird. Präsident Wladimir Putin hatte Ende Juni erstmals in der Öffentlichkeit betont, der russische Staat habe kein Interesse an einer Yukos-Pleite. In Moskau wird aber auch nicht ausgeschlossen, dass das profitable Unternehmen unter Kreml-treuen Konkurrenten aufgeteilt wird.

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