Landesbanken Ratings werfen ihre Schatten

Wie kreditwürdig sind die Landesbanken ohne Staatsgarantien? Die Ratingagentur Standard & Poor's hat das Szenario durchgespielt. Ergebnis: Die Landesbank Baden-Württemberg bekommt die Topnote. Es gibt aber auch zwei Verlierer, die nachbessern müssen.

Frankfurt - Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat am Donnerstag die so genannten Schattenratings für Landesbanken veröffentlicht. Die Spanne der verteilten Bonitätsnoten reichen für langfristige vorrangige unbesicherte Schulden von "A+" bis "BBB+", teilte S&P am Donnerstag mit.

An der Spitze steht die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit "A+". Die WestLB und die Landesbank Sachsen (SachsenLB) schnitten mit "BBB+" am schlechtesten ab.

Mit "A" wurden die DekaBank, die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und die HSH Nordbank bewertet. Die Bayerische Landesbank (BayernLB) und die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) bekamen die Note "A-".

Im Vergleich zur Landesbanken-Studie von S&P vom November 2003 machte die Ratingagentur Verbesserungen aus. Einige Entwicklungen bei den Landesbanken seien nun klarer geworden, was sich allgemein positiv auf die Bonitätsbewertung ausgewirkt habe, hieß es.

Fortschritte bei Restrukturierung

S&P sah unter anderem Fortschritte bei der Restrukturierung der Bilanzen und eine Verbesserung des Risikoprofils. Ausdrücklich würdigte S&P auch die nunmehr engere Zusammenarbeit der regionalen Spitzeninstitute mit ihren Sparkassen. Dies habe Zweifel über die Stand-alone-Geschäftsmodelle der Landesbanken gemildert.

Allerdings sei die Transformation der Landesbanken im Zuge des Wegfalls der Staatsgarantien noch keineswegs abgeschlossen. S&P erwartet weitere wichtige Entscheidungen, die Konsequenzen für die Ratings haben dürften.

Einige Bewertungen spiegelten bereits die Implementierung von weiteren Schritten wider, weshalb ein Unterlassen dieser Schritte ratingverschlechternd wirken kann. Die zusätzlichen Ratings beziehen sich auf Mitte 2005, wenn die staatlichen Garantien (Anstaltslast und Gewährträgerhaftung) für die Landesbanken entfallen. Daher werden diese Ratings auch als Schattenratings bezeichnet.

Reaktionen der Landesbanken

Reaktionen der Landesbanken

Trotz des ungünstigen Ratings hält die WestLB an ihren Bonitätszielen für das kommende Jahr fest. Ein Sprecher der Bank sagte am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires, die von S&P erteilte - vorläufig noch fiktive - Langfrist-Benotung von "BBB+" sei für eine Bank wie die WestLB auf Dauer keine haltbare Geschäftsgrundlage. Die WestLB sei optimistisch, spätestens in einem Jahr das angestrebte "A"-Rating zu erhalten.

Vorstandsvorsitzender Thomas Fischer erklärte, die Ratingagenturen hätten deutlich gemacht, dass die WestLB ihr Ziel erreichen könne, auch nach dem Wegfall der Staatsgarantien ein "A"-Rating zu erhalten. "Wir hätten gerne bereits ein Schattenrating im A-Bereich gehabt, müssen aber anerkennen, dass S&P von unseren Eigentümern weitere Anstrengungen mit Blick auf Sicherungsmaßnahmen erwartet", sagte Fischer. Die Bank werde nichts unversucht lassen, möglichst schnell die Voraussetzungen für ein kapitalmarktfähiges Rating im "A"-Bereich zu schaffen.

"A+" wird angepeilt

Die HSH Nordbank AG hat sich zufrieden mit dem Rating gezeigt. Das "A"-Rating entspreche "momentan unseren Erwartungen", allerdings könne dies "nur ein Zwischenergebnis sein", sagte der Vorstandsvorsitzende Alexander Stuhlmann. Im Jahr 2006 solle das Zielrating "A+" erreicht werden. "Darauf bereiten wir uns weiterhin intensiv vor", sagte er.

Die Bayerische Landesbank sieht sich durch das von der Ratingagentur Standard & Poor's veröffentlichte fiktive Rating von "A-" nach dem Wegfall staatlicher Garantien in ihrem Kurs bestätigt. "Es ist uns gelungen, auch S&P davon zu überzeugen, dass sich die BayernLB auf einem guten Weg befindet", teilte der Vorstandsvorsitzende Werner Schmidt am Donnerstag in München mit. Das Institut werde seine strategische Neuausrichtung konsequent fortführen, um mittelfristig die von der BayernLB angestrebte Bonitätsnote von mindestens "A+" zu erreichen.

Die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) hat sich über das Schattenrating "A-" von Standard & Poor's ebenfalls zufrieden geäußert und peilt bereits ein Rating von "A+" an. In überschaubarer Zeit sollte beim Vorzeichen noch ein Strich hinzukommen, sagte ein Sprecher des Instituts. Zur aktuellen Bewertung durch S&P sagte der Sprecher: "Wir wollten in den A-Bereich kommen, das wurde uns bestätigt." Die Ratingagentur habe unter anderem die stille Einlage des Landes und das beabsichtigte Mutter-Tochter-Modell mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gewürdigt.

Andere Ergebnis im Fitch-Rating

Andere Ergebnis im Fitch-Rating

Die Rating-Agentur Fitch sieht die Bonitätsnoten der deutschen Landesbanken nach dem Wegfall der staatlichen Haftungsgarantien Mitte 2005 ebenfalls in einer Spanne von "A+" bis "BBB+". Allerdings fällt das Einzelergebnis anders aus als bei Standard & Poor's

"Die Landesbanken verbessern langsam ihre Ergebnisse und haben damit begonnen, die Geschäftsmodelle zu restrukturieren, um sich ihrer künftigen operativen Umgebung anzupassen", hieß es in einer Fitch-Mitteilung vom Donnerstag. Noch liegen die Landesbanken wegen der staatlichen Garantien in der Nähe der Bestnoten.

Am höchsten bewertet Fitch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die Bayerische Landesbank - jeweils mit der Note "A+". Es folgen jeweils mit einem "A" die Bremer Landesbank, die DekaBank, HSH Nordbank, Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Landesbank Saar und die Norddeutsche Landesbank.

Rote Laterne für die LRP

Die noch etwas niedrigere Note "A-" haben die Landesbank Sachsen und die WestLB erhalten. Am schlechtesten schnitt mit "BBB+" die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) ab. Ihr wurde aber ein Rating im "A"-Bereich in Aussicht gestellt, wenn der angestrebte Zusammenschluss mit der LBBW in den nächsten Wochen über die Bühne gehen sollte.

Die künftigen Gewinnaussichten der Institute hängen Fitch zufolge vor allem davon ab, inwieweit die Landesbanken ihre Kooperationen mit den Sparkassen vertiefen, die Kosten niedrig und die Kreditrisiken überschaubar halten könnten.

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