Edeka Besser als Aldi

Mit 31,16 Milliarden Euro Umsatz und einem Ergebnis, das um 16,5 Prozent über Vorjahr liegt, verblüfft Edeka die Branche. Und der blau-gelbe Konzern will weiter wachsen. Allein in diesem Jahr sollen die Verkaufsflächen um insgesamt 300.000 Quadratmeter erweitert werden.

Hamburg - Die Hamburger Edeka-Gruppe hat im vergangene Geschäftsjahr trotz der Kaufzurückhaltung der Verbraucher deutlich mehr verdient. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im Vergleich zum Vorjahr um 16,5 Prozent auf rund 470 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Gesamtumsatz der Gruppe im In- und Ausland sei um zwei Prozent auf 31,16 Milliarden Euro gestiegen.

Nach einer GfK-Studie läuft Edeka damit den Discountern aus Deutschland den Rang ab. Aldi, Lidl und Co. konnten in 2002 demnach zwar noch um 11 Prozent wachsen, in 2003 sank die Ziffer auf 6 und in den ersten Monaten 2004 auf hochgerechnet nur noch 2 Prozent.

Johann Lindenberg, Chef des Markenverbands und Geschäftsführer bei Unilever Deutschland hatte am gestrigen Dienstag den Trend bereits interpretiert: "Innovationsstarke Marken können ihren Marktanteil gegen konjunkturelle Widerstände und gegen die Handelsmarken ausbauen", sagte Lindenberg während der Jahrespressekonferenz in Hamburg.

Mit einem Marktanteil von 20,2 Prozent liegt die Edeka-Gruppe nach eigenen Angaben an der Spitze des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. In diesem Jahr sollen rund 300.000 Quadratmeter Verkaufsfläche neu eröffnet werden. Zudem sollen bis Ende 2005 rund 500 Märkte aus dem Filialsystem (2500 Märkte) an Unternehmer überführt werden.

7,4 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche

Im vergangenen Jahr beschäftigte Edeka den Angaben zufolge rund 200.000 Mitarbeiter. Die Gesamtverkaufsfläche erhöhte sich durch 220 neue Geschäfte leicht auf 7,4 Millionen Quadratmeter. Insgesamt betreibt die Gruppe knapp 9100 Märkte. Neben Deutschland ist Edeka in Österreich, Tschechien und Dänemark präsent.

Die Mehrheitsbeteiligung an der im SDax notierten Handelsgruppe AVA will Edeka derzeit nicht weiter aufstocken. "Wir benötigen keine Aufstockung und auch keine eilige Aufstockung bei der AVA", erklärte Edeka-Chef Alfons Frenk.

Edeka sei nicht so konsequent auf dem Weg zu der für ein Herausdrängen von Kleinaktionären nötigen Quote von 95 Prozent, wie oft berichtet werde, sagte Frenk. "Wenn uns Papiere angeboten werden, prüfen wir betriebswirtschaftlich, ob es sich lohnt, sie zu erwerben", fügte er hinzu.

Kapitalerhöhung nicht für Erwerb von AVA-Aktien

Vor einer Woche war bekannt geworden, dass Edeka seinen Anteil an AVA auf 83,2 Prozent erhöht hatte. Nach dem Erwerb der Mehrheit bei AVA 2002 hatte Edeka zuletzt seinen Anteil im November erhöht.

Die geplante Kapitalerhöhung von 200 Millionen Euro diene zur Erhöhung der Eigenkapitalquote auf 19 von derzeit 12 Prozent, teilte Edeka mit. Damit wies das Unternehmen Presseberichte zurück, denen zufolge die Kapitalerhöhung zur Aufstockung des AVA-Anteils oder anderer Zukäufe dienen solle. An Gesprächen über den Verkauf der zu Spar gehörenden Netto-Märkte habe Edeka nicht teilgenommen, sagte Frenk.

Die derzeitige Geschäftsentwicklung bei AVA bezeichnete Edeka als nicht zufriedenstellend. Dennoch stelle AVA eine wesentliche Säule der Geschäftspolitik dar. Einen Verkauf der defizitären Baumärkte schloss Edeka aus. AVA hatte kürzlich wegen der anhaltenden Konsumflaute seine Umsatzerwartung für 2004 leicht zurückgenommen. Der Handelskonzern bekräftigte allerdings, mit einer weiteren Verbesserung des Jahresüberschusses zu rechnen.

Zur Verbesserung des eigenen Geschäfts will Edeka zwar rund 200 neue Standorten schaffen. Zum Ausbau der kostengünstigeren großen Geschäfte würden kleinere Filialen jedoch geschlossen. Im vergangenen Jahr hatte Edeka 180 Läden dicht gemacht.