Deutsche Bahn "Einseitige Positionierung"

Der Druck auf Bahnchef Hartmut Mehdorn nimmt zu. Nachdem mehrere Spitzenverbände der Wirtschaft vor einem übereilten Börsengang warnten, geht der Konzernlenker nun zum Gegenangriff über.

Berlin - Die Bahn werde sich nicht beirren lassen und ihre Kapitalmarktfähigkeit beweisen, betonte Konzernchef Hartmut Mehdorn am Dienstag. Zuvor hatten sich die Chefs der Spitzenverbände BDI, BDA und DIHK in einem Brief an den CDU-Verkehrsexperten im Bundestag, Dirk Fischer, gegen "übereilte" Entscheidungen für eine Teilprivatisierung mitsamt dem Gleisnetz ausgesprochen.

"Es geht bei einer Privatisierung nicht nur um die Entwicklung eines Unternehmens, sondern um die Zukunft des Systems Eisenbahn", schrieben die Verbandspräsidenten Michael Rogowski, Dieter Hundt und Ludwig Georg Braun. Das Ob und Wie des Börsengangs sollte "erst nach eingehender Prüfung verschiedener Privatisierungsmodelle" entschieden werden.

Dazu gehöre auch ein Börsengang ohne das bisher zum Konzern gehörende Netz. Dies sei unter verkehrs- und haushaltspolitischer Perspektive "die bessere Lösung". Auch der Bundestag hatte sich kürzlich einmütig für eine Prüfung anderer Privatisierungsmodelle ausgesprochen und vor einer übereilten Grundsatzentscheidung gewarnt.

Mehdorn bekräftigte dagegen, das Netz müsse Teil des Konzerns bleiben. Die aktuellen Kürzungen der Investitionsmittel des Bundes für die Schiene zeigten, dass die Bahn "mehr denn je auf den Kapitalmarkt angewiesen ist". Er warf den Verbänden eine "einseitige Positionierung zu Gunsten der Straße" vor.

Die Bahn strebt den Börsengang für 2006 an. Die Entscheidung darüber liegt beim Bund als Eigentümer.