Mannesmann Bewährungsstrafe für Ackermann gefordert

Im Prozess um millionenschwere Abfindungen im Zuge der Mannesmann-Übernahme hielten die Staatsanwälte heute ihr Schlussplädoyer. Für den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, beantragen sie zwei Jahre auf Bewährung. Die Mitangeklagten Klaus Esser und Joachim Funk wollen die Ankläger sogar hinter Gittern sehen.

Düsseldorf - Die Staatsanwälte haben im Mannesmann-Prozess bis zu drei Jahre Haft für die Angeklagten gefordert.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann soll nach dem Willen der Ankläger wegen schwerer Untreue zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt werden. Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser soll zweieinhalb Jahre ohne Bewährung hinter Gitter. Die höchste Strafe soll der ehemalige Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk mit drei Jahren erhalten.

Die Staatsanwaltschaft hält die sechs Angeklagten, darunter auch der ehemalige IG-Metall-Vormann Klaus Zwickel, in allen Punkten für schuldig. Für Zwickel sehen die Staatsanwälte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten vor. Der damalige Mannesmann-Betriebsratschef Jürgen Ladberg und Dietmar Droste, ein Mitarbeiter der Direktionsabteilung, sollen nach dem Willen der Ankläger mit jeweils einem Jahr auf Bewährung bestraft werden.

"In allen Anklagepunkten strafbar gemacht"

In Justizkreisen war bereits zuvor nicht ausgeschlossen worden, dass Haftstrafen auch ohne Bewährung gefordert werden. Staatsanwalt Lothar Schröter sagte am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Landgericht in einer Zusammenfassung des Plädoyers, die Hauptverhandlung habe ergeben, dass sich die Angeklagten in allen Anklagepunkten strafbar gemacht hätten.

Die Beschlüsse, die zur Auszahlung der Millionen-Prämien bei Mannesmann geführt hätten, seien aktienrechtliche Pflichtverletzungen gewesen. Ein Firmeninteresse Mannesmanns sei weder bei der Auszahlung der Prämien noch bei der Abfindung von Pensionsansprüchen erkennbar gewesen. "Das fehlende Unternehmensinteresse bedingt allein einen strafrechtlich relevanten Pflichtverstoß", sagte Schröter.

"Aspekt im ganzen Verfahren noch nicht vorgebracht"

Durch die Auszahlung der Prämien sei der Mannesmann AG ein Schaden in Höhe von 48 Millionen Mark (umgerechnet etwa 24 Millionen Euro) entstanden, hieß es weiter. Der angeklagte Deutsche-Bank-Chef Ackermann habe sich durch seine Mitwirkung an den Beschlüssen der Untreue in einem besonders schweren Fall schuldig gemacht.

Für Verärgerung bei den Verteidigern von Ex-Mannesmann-Chef Esser und für einen Rüffel der Vorsitzenden Richterin Brigitte Koppenhöfer sorgte Schröter mit der Forderung, Esser nicht mehr nur Beihilfe zur Untreue vorzuwerfen, sondern ihn nun auch als Täter zu betrachten. Esser habe sich aktiv dafür eingesetzt, dass seine Prämie ausgezahlt werde. Koppenhöfer wies die Staatsanwaltschaft darauf hin, dass sie diesen Aspekt im gesamten Verfahren nicht vorgebracht habe.

"Die Staatsanwälte haben in ihrem Plädoyer erst die Wirklichkeit verdreht und nun auch noch das Recht", reagierte Ackermanns Verteidiger Klaus Volk. "Das Verlangen nach einer Strafe passt zur verdrehten Gedankenwelt der Staatsanwaltschaft und es zeigt auch, was verkehrt ist: Über die Vergütung von Managementleistungen mag man streiten, wo man will - aber ein Strafgericht ist dafür mit Sicherheit nicht der richtige Ort."

Ackermanns zweiter Verteidiger Eberhard Kempf war auf ärtzlichen Rat nicht zur Verhandlung erschienen. Er hatte in der vergangenen Woche einen Autounfall erlitten. Am kommenden Mittwoch, wenn die Plädoyers der Anwälte anstehen, wird der Jurist zurück erwartet.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, vor vier Jahren die über 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den britischen Konkurrenten Vodafone  genutzt zu haben, um Managern und Pensionären von Mannesmann Prämien und Abfindungen in Höhe von rund 60 Millionen Euro zuzusprechen. Das Gericht hatte in einer Zwischenbilanz im März allerdings erklärt, der Vorwurf der Untreue habe sich nicht erhärtet.