Otto "Ein Börsengang ist nicht geplant"

Die vergangenen Monate dürften die schwersten in der langen Karriere des Michael Otto gewesen sein. manager-magazin.de sprach mit dem Unternehmenschef anlässlich der Bilanzvorlage des Handelskonzerns.
Von Arne Stuhr

mm.de:

Herr Otto, in den vergangenen Monaten sahen Sie sich zahlreichen Vorwürfen ausgesetzt. Der SPIEGEL warf Ihnen sogar vor, bei Ihrer US-Beteiligung Spiegel Inc. nach "Gutsherrenart" agiert zu haben. Werden Sie als Konsequenz daraus Ihre Kommunikationspolitik ändern?

Otto: Der Vorwurf, bei Spiegel Inc. im Alleingang gehandelt zu haben, ist absurd. Alle Entscheidungen bezüglich Spiegel wurden in Gremien oder in Absprache mit hervorragenden Anwälten und Beratern getroffen. Meine Kommunikationspolitik ist sehr offen. Wenn man allerdings, wie bei dem unter Chapter 11 stehenden Unternehmen Spiegel üblich, Schweigepflicht vereinbart, dann halte ich mich daran. Da bin ich Hanseat.

mm.de: Andere Beteiligte haben die von Ihnen erwähnte Schweigevereinbarung aber nicht eingehalten und den öffentlichen Druck auf Sie dadurch erhöht. Kann man da immer ruhig bleiben?

Otto: Wenn Informationen etwa aus dem Gläubigerkreis an die Öffentlichkeit gelangen, da juckt es einem schon in den Fingern, mehr zu sagen. Man steckt da in einem gewissen Dilemma. Dennoch werde ich meinen Stil beibehalten, Schweigeverpflichtungen einzuhalten. Auch wenn es altmodisch klingen mag: Ich bin jemand, der sein Wort hält.

mm.de: Die Umstrukturierung der Otto-Gruppe und die Neuordnung des Vorstands scheinen darauf abzuzielen, den Konzern kapitalmarktfähig zu machen. Geht Otto demnächst an die Börse?

Otto: Richtig ist, das wir das Unternehmen fit für den künftigen Kapitalmarkt machen wollen. Ein Börsengang ist aber nicht geplant.

"In China fehlt die Mittelschicht"

mm.de: Was bedeutet das konkret?

Otto: Die Refinanzierung über traditionelle Bankkredite verliert an Bedeutung. Wichtiger werden alternative Finanzierungsinstrumente, für die ein Unternehmen erweiterte Anforderungen des Kapitalmarktes erfüllen muss.

mm.de: Dann könnte es also sein, dass Otto künftig zum Beispiel eine Anleihe begibt?

Otto: Das wäre eine denkbare Alternative zur Kreditaufnahme.

mm.de: Auf Ihrer Bilanzpressekonferenz fiel kein einziges Wort zu Ottos Plänen in Fernost. Trauen Sie dem China- und Indien-Hype nicht?

Otto: Keineswegs, aber man kann nicht über alles zugleich berichten. Selbstverständlich ist die Otto Group seit Jahren in Asien engagiert. In Japan und Südkorea sind wir zum Beispiel stark vertreten. In China, wo wir nur sehr vorsichtig investieren, brauchen sie aber einen langen Atem, da dort noch die für den Versandhandel wichtige Mittelschicht fehlt. In Indien mangelt es noch an der Infrastruktur. So sind die Paketlaufzeiten zu lang und das Telefonnetz außerhalb der Ballungsräume noch zu lückenhaft. Auch das Bankensystem genügt noch nicht unseren Anforderungen.

mm.de: Zurück nach Deutschland. Kaufzurückhaltung und wirtschaftliche Flaute sind ja hoffentlich nur kurzfristige Phänomene. Die demografische Entwicklung hier zu Lande ist hingegen eine dauerhafte Veränderung. Wie reagiert Otto auf die alternde Bevölkerung?

Otto: Indem wir attraktive Angebote auch für ältere Zielgruppen machen. Mit unserem Versender Witt verfügen ja schon über einen Spezialversender für ältere Zielgruppen. Bedeutend auch für andere Anbieter in der Otto Gruppe ist, dass die neuen Alten länger "jung" bleiben und andere Ansprüche haben als die früheren Senioren. Die Zielgruppe ist aber nicht nur auf Grund ihres Wachstums interessant, sondern auch, weil die Bereitschaft zum Konsum wächst und nicht mehr nur für die Kinder gespart wird.

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