Ölstreik Zwangsschlichtung beendet Arbeitskampf

Die norwegische Regierung hat am Freitag ein Ende des seit rund einer Woche andauernden Arbeitskampfes in der Ölindustrie angeordnet. Der Streit war in den vergangenen Tagen eskaliert und drohte zuletzt, die Öl- und Gasproduktion des weltweit drittgrößten Förderlandes völlig lahm zulegen.

Oslo - Sozialminister Dagfinn Hoybraaten reagierte mit der Anordnung auf die am Donnerstag von den Arbeitgebern der Branche angekündigte Aussperrung von rund 3000 Arbeitern ab der kommenden Woche. "Eine solche Eskalation des Arbeitskampfes hätte ernsthafte sozio-ökonomische Folgen", sagte der Hoybraaten.

Ein Stillstand der Produktion hätte seiner Einschätzung nach Norwegens Ruf als zuverlässigen Lieferanten von Öl und Gas beschädigt. Insbesondere Deutschland und Großbritannien sind auf die Exporte aus dem skandinavischen Land angewiesen.

Am Ölmarkt reagierten die Investoren mit Erleichterung auf die von der Regierung angeordnete Zwangsschlichtung des Konflikts. Der Preis für ein Barrel (knapp 159 Liter) der führenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im August ging um 21 Cent auf 35,09 Dollar zurück.

Gewerkschaft lenkt ein

Die Ölgewerkschaft OFS akzeptierte die Entscheidung der Regierung. Der stellvertretende OFS-Chef Bjorn Tjessem sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir müssen wieder an die Arbeit, wir haben keine andere Wahl. Wir wollen jetzt nichts Illegales tun."

Wahrscheinlich werden die streikenden Arbeiter noch am Freitag die Arbeit wieder aufnehmen. Die Arbeitnehmer waren vor acht Tagen mit Forderungen nach Rentenansprüchen und Arbeitssicherheit in den Ausstand getreten.

Durch den Streik hatte sich die tägliche Fördermenge von rund drei Millionen Barrel um mehr als ein Zehntel reduziert. "Wir werden die vollen Produktionskapazitäten in wenigen Tagen wieder erreichen", kündigte Per Terje Vold, Chef des Branchenverbandes OLF, an. Der Verband nahm seine Androhung einer Aussperrung wieder zurück.

Zwangsschlichtungen in der norwegischen Ölindustrie sind nichts Ungewöhnliches. In der Vergangenheit hat die Regierung unter Verweis auf die wirtschaftlichen Interessen des Landes immer wieder in Konflikte zwischen Arbeitgebern und Ölarbeitern eingegriffen. Zuletzt hatte der Staat im Jahr 2000 in einer ähnlichen Situation einen Streik beendet.