Opel "Mitten ins Herz"

Aufruhr bei Opel: Weil der US-Mutterkonzern General Motors das Erfolgsmodell Zafira künftig in Polen produzieren lässt, geht die Rüsselsheimer Belegschaft auf die Barrikaden.

Rüsselsheim - Opel wird den Zafira künftig zum Teil im polnischen General-Motors-Werk Gliwice produzieren. Das Nachsehen hat das Rüsselsheimer Stammwerk. Dort hatte sich der Betriebsrat vehement für den Bau des Minivans eingesetzt, um Überkapazitäten am Standort abzubauen.

Ein Opel-Sprecher sagte am Freitag gegenüber manager-magazin.de, die Entscheidung habe Personalvorstand Norbert Küpper in einer Sitzung zusammen mit dem Betriebsrat bekannt gegeben. Der Zuschlag für Gliwice sei "das Ergebnis einer umfassenden Analyse aller relevanten Geschäftsfelder", teilte Opel mit. Die Betrachtung des Geschäftsmodells habe eindeutig einen "erheblichen Vorteil der Wettbewerbsfähigkeit" des Standortes Gliwice im Vergleich zu anderen Konzern-Standorten ergeben.

Bislang baut Opel den Zafira im Bochumer Werk. Im vergangenen Jahr wurden dort 220.000 Einheiten produziert. Weil in Bochum demnächst zusätzlich der Astra Caravan von den Bändern läuft, ist dort die Kapazitätsgrenze erreicht. Daher hat Opel nach einem weiteren Zafira-Standort gesucht.

"Wirtschaftlich falsche Entscheidung"

Der Opel-Betriebsrat übte in einer Hausmitteilung harsche Kritik an der Entscheidung von General Motors  gegen Rüsselsheim. Diese sei "wirtschaftlich falsch und richte sich gegen den Standort Deutschland". Sie treffe auch "mitten ins Herz" der Kunden, denn die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland schmälere auch die Kaufkraft.

Den Hinweis des Managements auf eine umfassende Analyse, wiesen die Arbeitnehmervertreter zurück. Eine Gesamtkostenrechnung sei bis heute nicht vorgelegt worden.

Die Bänder in Rüsselsheim könnten dennoch bald wieder die Auslastung steigern. Wie Opel weiter mitteilte, soll das Werk die Produktion von 22.000 Vectras aus der britischen Dependance in Ellesmere Port übernehmen. Der Standort steht wie Bochum durch die Astra-Produktion an der Kapazitätsgrenze.

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