Vereins- und Westbank Ende eines Instituts

Nach 150 Jahren hört die Hamburger Vereins- und Westbank auf zu existieren. Künftig wird das Institut Teil der HypoVereinsbank sein. Einen besinnlichen Abschied gab es auf der finalen Hauptversammlung am Donnerstag dennoch nicht. Das Abfindungsangebot der Bayern sorgte für Unmut.

Hamburg - Stefan Schmittmann, Vorstandssprecher der Vereins- und Westbank, warb auf der außerordentlichen Hauptversammlung für die anstehende Eingliederung des Instituts in die HypoVereinsbank . Die Abfindung von 25 Euro je Aktie sei absolut fair und angemessen, appellierte er an die Minderheitsaktionäre.

Die Münchner Großbank besitzt rund 95,2 Prozent der Anteile und will die übrigen Aktionäre via Squeeze-out herausdrängen. Für die Vereins- und Westbank endet damit die fast 150-jährige Unternehmensgeschichte.

Der Abschied versprach Emotionen. Doch nicht Trauer, sondern die Wut über das Angebot der bayerischen Konzernmutter bestimmte das Aktionärstreffen. Von "Zwangsabfindung" oder "legalem Betrugsmanöver" war die Rede.

"Ob wir Ja oder Nein stimmen, nützt gar nichts, die Entscheidung ist gefallen", sagte Hansgeorg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Dennoch müsse über die Höhe der Abfindung und deren Berechnung diskutiert werden.

"Die 25 Euro schlagen dem Fass den Boden aus, darauf kann man nur kommen, wenn man keine ordnungsgemäßen Unterlagen hat", meinte hingegen Manfred Klein aus Saarbrücken. Er kündigte - wie andere auch - Widerspruch gegen die Abfindung an in der Hoffnung, durch eine gerichtliche Überprüfung eine Erhöhung durchzusetzen zu können.

Andere Anteilseigner verwiesen auf den ideellen Wert der Aktie: "Vereins- und Westbank-Aktien werden nicht nur gekauft, sondern vererbt", sagte eine betagte Aktionärin, deren vom Großvater geerbte Papiere Weltkriege und Weltwirtschaftskrise des vorherigen Jahrhunderts überlebten.

600 Stellen fallen weg

Die Integration in die HVB hingegen wird das Hamburger Traditionsinstitut wohl nicht überleben. Vorstandssprecher Schmittmann bekräftigte, dass "keine Standorte" geschlossen werden. Von den rund 4000 Arbeitsplätzen fallen etwa 600 weg.

Erneut hob Schmittmann hervor, dass der Standort Hamburg als HVB-Dependance aufgewertet werden soll, zumal er neben Norddeutschland und dem Ostseeraum künftig auch für Nordrhein-Westfalen und die übrigen ostdeutschen Länder mit Berlin zuständig ist; für die erbosten Aktionäre nur ein schwacher Trost.

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