Corporate Governance Schweigen beim Salär

Viele deutsche Konzerne tun sich weiter schwer, das Vertrauen der Anleger durch mehr Offenheit zu stärken. Vor allem Angaben zu den Millionensalären der Top-Manager halten die meisten Gesellschaften im Verborgenen. Aber der Druck wächst - wenn auch nur sanft.

Berlin - Seit zwei Jahren gibt der deutsche Corporate Governance Kodex Leitlinien für gute Unternehmensführung vor. Die Transparenz ist damit deutlich gestiegen, urteilen Experten wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Doch bis zur Offenheit anderer internationaler Märkte sei es noch weit. Wie stark die Akzeptanz für Corporate Governance vorangekommen ist, wollen Fachleute aus Unternehmen und Politik am Mittwoch bei einer Tagung in Berlin diskutieren.

Von einem "ermutigenden Ergebnis" bei der Umsetzung spricht Gerhard Cromme, Aufsichtsratschef bei ThyssenKrupp  und Vorsitzender der Regierungskommission, die den Kodex im Jahr 2002 vorlegte. Die 30 Konzerne im Deutschen Aktienindex Dax  befolgten inzwischen im Schnitt zu 95 Prozent die 72 Empfehlungen.

Mehr Transparenz dringend nötig

Was über geltende Gesetze hinausgeht, ist allerdings nicht zwingend. Wenn sie Empfehlungen ignorieren, müssen die Konzernlenker dies aber jedes Jahr ausdrücklich erklären.

"Der Kodex lebt von der Anerkennung durch die Unternehmen", heißt es auch bei Aktionärsschützern. Zwar könne ein Schweigen zu vermeintlich brisanten Themen für die Anleger ebenfalls aufschlussreich sein. Doch in wichtigen Feldern sei mehr Transparenz dringend nötig. "Immer wenn es ums eigene Geld geht, hapert es", kritisiert DSW-Sprecher Jürgen Kurz.

Bei Managergehältern etwa gibt es Probleme. Gerade einmal neun der 30 Dax-Konzerne schlüsselten zuletzt die Bezüge ihrer Vorstände und Aufsichtsräte wie im Kodex empfohlen einzeln und auch nach variablen Bestandteilen auf. Zwei nennen immerhin das Salär ihres Vorstandsvorsitzenden.

Unterschiedliche Verfahren bei Gehältern

So wissen die Aktionäre der Deutsche Post, dass Konzernchef Klaus Zumwinkel vergangenes Jahr 1,7 Millionen Euro (ohne Aktienoptionen) bekam. Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder weist dagegen zum Beispiel seine Bezüge nicht einzeln aus - Anleger erfahren im Geschäftsbericht nur die Summe für den gesamten Vorstand.

Dass sich das Schweigen lange halten lässt, glauben Aktionärsschützer aber nicht. "Den Unternehmen müsste klar sein, dass einmal eine gesetzliche Regelung kommt", sagt DSW-Sprecher Kurz.

Insgesamt ist die Liste noch lang, wie das Anlegervertrauen in die Unternehmensführung zu stärken sei - einige Vorlagen liefert der Kodex. So sollten Vorstände eine "angemessene" Eigenbeteiligung an der Managerhaftpflichtversicherung tragen, die sie vor finanziellen Ansprüchen wegen falscher Entscheidungen sichert. Der Wechsel eines Ex-Vorstandschefs direkt in den Aufsichtsratsvorsitz solle nicht grundsätzlich tabu, aber wenigstens eine begründete Ausnahme sein.

Kontrolleure im Blick

Gerade die Kontrollgremien geraten derzeit immer stärker in den Blick. Kleiner und effizienter sollten Aufsichtsräte werden, sagt Joachim Schwalbach, Professor für internationales Management an der Humboldt-Universität in Berlin. Die anteilige Besetzung mit Arbeitnehmervertretern sei international "ein Hindernis für Investitionen".

Überkreuzverflechtungen von Aufsichtsräten mehrerer Unternehmen sollten untersagt werden. Auch die EU will die Kontrolleure stärken, um Betrügereien zu verhindern. In Erwartung der Vorgaben aus Brüssel stellte die Cromme-Kommission ihre jährliche Ergänzungen am deutschen Corporate Governance Kodex denn auch erst einmal zurück.

Sascha Meyer, DPA