Konzernumbau GM strafft das Europa-Geschäft

Lange genug hat General Motors die miesen Zahlen der Europa-Dependance nur zur Kenntnis genommen. Nun reagieren die Verantwortlichen. Unter der Ägide des vormaligen Opel-Chefs Carl-Peter Forster sollen die drei Marken Opel, Saab und Vauxhall näher zusammenrücken.

Frankfurt - "Wir werden eine einzige Unternehmenskultur für ganz Europa entwickeln, alle Töchter werden an einem Strang ziehen", sagte GM-Chef Rick Wagoner. Die drei Marken Opel, Saab und Vauxhall sollen nicht mehr eigenständig für Schlüsselaufgaben wie Finanzen, Konstruktion, Einkauf, Fertigung, Marketing und Planung verantwortlich sein. Zudem werde es in der Europa-Zentrale von General Motors  in Zürich ein europäisches Designteam geben, das für alle drei Marken arbeiten soll.

Einer der Gewinner des Umbaus ist Carl-Peter Forster. Der bisherige Opel-Chef wird bei General Motors Europe (GME) zweiter Mann nach Bereichsleiter Fritz Henderson. Forsters Aufgaben übernimmt der bisherige Opel-Entwicklungsvorstand Hans Demant. Demant ist künftig, ebenso wie die Vorsitzenden von Saab und Vauxhall, Peter Augustson und Kevin Wale, Forster unterstellt.

Der scheidende Opel-Vormann bleibt den Rüsselsheimern indes als neuer Aufsichtsratschef erhalten. Forster löst in dieser Funktion Hans Barth ab, der jedoch im Kontrollgremium bleibt.

"Marken nicht verwässern"

"Die heute angekündigten Veränderungen bedeuten nicht, dass wir uns gesundschrumpfen oder die Individualität unser Marken verwässern", sagte Bob Lutz, der bei GME für die Produktion zuständig ist und in den vergangenen Monaten als Interimspräsident von GME tätig war. Dem Umbau sollen weder Standorte noch Arbeitsplätze zum Opfer fallen.

So geht auch der Opel-Betriebsrat nicht von Einschnitten aus. "Wir haben einen Beschäftigungssicherungsvertrag bis Ende 2005", betonte jüngst der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz, dem noch "keinerlei Informationen" über weitere Einsparungen vorliegen, auf Anfrage der "Frankfurter Rundschau".

Mit der Neuausrichtung wollen die Verantwortlichen Entscheidungsprozesse beschleunigen und die Organisation effizienter gestalten, wobei gleichzeitig die Marktanteile steigen sollen. Der Plan sieht vor, dass Fahrzeuge ähnlicher Klassen gemeinsame Komponentensätze - so genannte Architekturen - haben wie etwa Bremsen und Lenksysteme. Vorreiter soll dabei das Opel-Werk in Rüsselsheim sein, das die Basis und die gemeinsamen Komponenten entwickeln soll.

Wie es weiter heißt, wird auch der Designsparte künftig eine noch größere Bedeutung zukommen. So soll eine neu gegründete Designorganisation die bisherigen Aktivitäten der drei Marken zusammenfassen. Die Leitung übernimmt der bisherige Opel-Chefdesigner Brian Nesbitt, der ebenfalls an Forster berichten wird.

Seit vier Jahren in den roten Zahlen

GM steht in Europa unter Handlungsdruck. Seit vier Jahren schreibt der Bereich rote Zahlen. Im ersten Quartal 2004 erwirtschaftete die Dependance wieder einen Verlust von 116 Millionen Dollar. Zuletzt hatte die US-Mutter das Ziel aufgegeben, dort 2004 in die Gewinnzone zurückkehren zu können.

Grund für das aktuelle Minus ist zum einen der schwache Gesamtmarkt in Europa. Zum anderen haben sich die Verkäufe von Westeuropa nach Zentral- und Osteuropa verlagert. Dort sind Gewinnspannen geringer.

Opel-Erfolge werden deutlicher

"Wenn man sich die vergangenen Jahre anschaut, hat es Handlungsbedarf gegeben", sagt Analyst Oliver Girzick von der Bayerischen Landesbank. Die bisherige wenig einheitliche Struktur aus eigenständigen Töchtern und einer zusätzlichen Europa-Zentrale in Zürich habe das Geschäft behindert, meint Albrecht Denninghoff von der HypoVereinsbank.

Vor allem bilanztechnisch mache der Umbau Sinn. Verwirrende Buchhaltungsvorgaben dürfte es so künftig nicht mehr geben. So hatte etwa Opel in Rüsselsheim Kosten, die für die internationale Fahrzeugentwicklung anfielen, verbuchen müssen, gleichzeitig aber die daraus außerhalb von Deutschland resultierenden Einnahmen nicht bilanzieren dürfen. Künftig soll nur noch zentral über GM Europe bilanziert werden. "Ich glaube, dass dann auch die Ergebnis-Erfolge von Opel weit aus deutlicher werden", sagte ein Analyst.

Verwandte Artikel