Fraspa Personalwirrwarr

Weil sie Vorgänge verschleiert haben sollen, sind zwei Fraspa-Vorstände auf Anweisung der BaFin vom Dienst suspendiert - Wertberichtigungen waren der Auslöser. Den Vorständen droht eine Strafanzeige, das Institut präsentiert sich führungslos, wie die Kernfrage für die Zukunft entschieden wird, ist immer noch völlig offen.

Frankfurt - In diesem Jahr hatte die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) nur ein Ziel: nach dem Katastrophenjahr 2003 wieder in ruhiges Fahrwasser zurückzukehren.

Davon ist die viertgrößte Sparkasse Deutschlands derzeit meilenweit entfernt. Nach mehreren Rügen hat die Bankenaufsicht dem Institut jetzt die rote Karte gezeigt und ein Abberufungsverfahren gegen die zwei Vorstandsmitglieder Andreas Goßmann und Roland Hemmerich eingeleitet. "Die Krise bei der Sparkasse hat einen neuen Höhepunkt erreicht", sagt der Analyst einer großen Privatbank. "Das Ansehen des Traditionshauses ist den Bach runtergegangen."

Nur selten feuert die Bankenaufsicht solche Schüsse ab. Neun Mal hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im vergangenen Jahr Maßnahmen gegen die Geschäftsleiter - wie Verwarnungen oder Abberufungen - der 489 Sparkassen in Deutschland eingeleitet. "Wir greifen dann ein, wenn der Leiter fachlich nicht mehr geeignet oder persönlich unzuverlässig ist", sagte eine Sprecherin. Aus BaFin-Kreisen verlautete, die Prüfer fühlten sich von der Fraspa hintergangen, als Anfang des Jahres plötzlich Wertberichtigungen in Millionenhöhe für 2003 in den Kreditbüchern auftauchten. Die Topmanager hätten die tatsächliche finanzielle Lage der Bank verschleiert.

Vom fünfköpfigen Vorstand sind noch zwei übrig

Das seit Monaten andauernde Chaos im Vorstand der Bank nimmt also kein Ende. Im März hatte Vorstandssprecher Alexander Kolb nach nur einem Monat im Amt seinen Hut genommen - ebenfalls wegen des Streits um die Wertberichtigungen. Erst vor zwei Monaten hatte die BaFin Ex- Vorstandschef Klaus Wächter und Verwaltungsratschef Jürgen Stüve unter Verweis auf "kriminelle Energie" zum Rücktritt aufgefordert - beide mussten dem nachgeben.

Jetzt ist das Institut praktisch führungslos. Goßmann und Hemmerich sind vorläufig suspendiert. Falls die beiden Manager nicht mehr auf ihre Stühle zurückkehren, was durchaus möglich ist, bleiben vom fünfköpfigen Vorstand nur noch zwei Manager übrig: Wolfgang Teppe und Karl-Heinz Schmidt. Beide wurden erst in der vergangenen Woche berufen und müssen ins kalte Wasser springen. Auf einen Vorstandssprecher glaubt die Bank bis Ende des Jahres verzichten zu können.

Pesonalwirrwarr ist aber das letzte, was die Fraspa jetzt brauchen kann. Die scheinbar endlose Debatte über die Zukunft des Bankhauses dauert immer noch an. Die Sparkasse gehört mehrheitlich einem privaten Verein und nicht der öffentlichen Hand. Das Gremium, die Polytechnische Gesellschaft, hält 60 Prozent der Stimmrechte in der Mitgliederversammlung der Bank, die Stadt Frankfurt 40 Prozent.

"So ein Verein kann keine Sparkasse führen"

Der Präsident der Gesellschaft, Hans-Jürgen Hellwig, hatte sich in den vergangenen Wochen für einen Rückzug des Vereins von der Fraspa stark gemacht und damit die Mehrheit der Mitglieder gegen sich aufgebracht. Am Montagabend wurde Hellwig mit klarem Ergebnis abgewählt. "Er hat mit seiner Strategie viel Unmut auf sich gezogen", sagt sein Nachfolger Klaus Ring. "Ein Verkauf ist derzeit kein Thema."

Die hessische Landesregierung plant aber weiterhin, die Sparkasse in eine Holding mit der Landesbank Hessen-Thüringen einzubringen. Großbanken wie die Commerzbank haben für den Fall eines Verkaufs bereits Interesse signalisiert. Immer mehr gerät die ungewöhnliche Konstruktion, dass die Fraspa einem privaten Verein gehört, in die Kritik. "So ein Verein kann keine Sparkasse führen", sagt ein Mitglied der Gesellschaft. "Die Mitglieder sind alle ehrenwert und hochintelligent, aber sie sind hilflos gegenüber dem wahren Leben und gegenüber wirtschaftlichen Schwierigkeiten." Der Frankfurter FDP- Kreisvorsitzende Dirk Pfeil fordert gar den Rücktritt aller Fraspa- Verwaltungsratsmitglieder.

Nach einem Bericht des "Handelsblatts" existiert ein Schreiben der BaFin an den Fraspa-Verwaltungsratsvorsitzenden Paul Wieandt, in dem es heiße, Goßmann und Hemmerich hätten mehrfach geänderte interne Risikoeinschätzungen des Instituts den Prüfern nicht zugänglich gemacht. Für die BaFin ein Rücktrittsgrund. Die BaFin schließt dem Blatt zufolge nicht aus, wegen des Verdachts der Prüfertäuschung die Staatsanwaltschaft einzuschalten und Strafanzeige zu erstatten.

Marion Trimborn, dpa

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