WestLB Großes Kino

Der Bieter-Wettbewerb um die britische Kinokette Odeon hat begonnen. Bisher, so Medienberichte, liegen die angebotenen Summen aber deutlich unter dem, was die WestLB im vergangenen Jahr selbst investierte - 646 Millionen Euro.

London - Die Beteiligungsgesellschaft JP Morgan Partners bereitet nach einem Bericht der Tageszeitung "The Times" ein Gebot für die zur Düsseldorfer WestLB gehörende Kinokette Odeon vor. Odeon steht seit Montag formal zum Verkauf. Ein WestLB-Sprecher bestätigte am Dienstag auf Anfrage, dass der Verkaufsprozess bis zum 9. Juli läuft. Bis dahin könnten noch Angebote abgegeben werden. Zum derzeitigen Stand des Verkaufsprozesses wollte er nichts sagen.

JP Morgan Partners biete zusammen mit Ex-Carlton-Chairman Michael Green auch für Odeon-Wettbewerber UCI, heißt es in dem Bericht weiter. JP Morgan wolle eine der für sie interessanten Kinoketten mit der in ihrem Besitz befindlichen Cine-UK verschmelzen.

Für die WestLB droht bei Odeon unter dem Strich ein Verlust. Die Bank hat zwar mehrere Interessenten für die Kinokette, doch ihren Einsatz bekommt sie "wohl kaum in voller Höhe zurück", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Ein Konsortium unter Führung der WestLB hatte erst im März 2003 die größte Kinokette auf der Insel für 431 Millionen Pfund, umgerechnet 646 Millionen Euro, übernommen. Anschließend waren die gesamten Aktivitäten der Londoner Principal Finance Unit der WestLB mit der vermeintlichen Star-Bankerin Robin Saunders an der Spitze in die Kritik geraten.

600 Kinosäle, ein Viertel des Marktes

Der Immobilien-Mogul Robert Tchenguiz, mit dem die WestLB mehrfach Großgeschäfte gemacht hat, bot laut "SZ" zunächst lediglich 300 Millionen Pfund für Odeon. Doch nun treten weitere Interessenten in Erscheinung. Vue Entertainment soll nach verschiedenen Presseerichten dazu gehören. Als weitere Interessenten gelten die Beteiligungsgesellschaft Terra Firma Capital sowie Cine-UK. Auch Tchenguiz soll sein Angebot inzwischen auf 360 Millionen Pfund aufgebessert haben. Die WestLB bekommt auf jeden Fall ihren Odeon-Kredit von 290 Millionen Pfund zurück. Die WestLB hat im Odeon-Konsortium einen Anteil von 43 Prozent, Tchenguiz von 17 Prozent. Odeon kommt mit ihren 600 Kinosälen in Großbritannien auf einen Marktanteil von 24 Prozent.

Beim Verkauf der Londoner Gaststätten-Kette Pubmaster hatte die WestLB im November einen Gewinn von 44 Millionen Euro erreicht. Dabei hatte auch Saunders, die mittlerweile die Bank verlassen musste, kräftig mitverdient. Beim TV-Geräte-Verleihe Boxclever, gibt es noch keine Lösung. "Die Gespräche über den Verkauf laufen" und man sei zuversichtlich, so ein Sprecher der WestLB zur "SZ".

Ganz ohne Zuschüsse von außen allerdings kommt die Bank nicht wieder auf die Beine. Eine Alternative zu der Kapitalerhöhung sieht beispielsweise Jörg Enaux, Sparkassen-Chef in Mühlheim, trotz allem nicht. "Ohne die 1,5 Milliarden Euro, die alle Sparkassen in NRW zusammen aufbringen, müsste die WestLB abgewickelt werden. Das darf aber nicht passieren", sagte er gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

Mit der WestLB als starkem Partner könnten die Sparkassen künftig die Risiken bei größeren Krediten streuen. Das helfe auch dem Mittelstand, so Enaux. Die Überweisung von 12,4 Millionen Euro, auf die keine Zinsen gezahlt würden, bereite ihm trotzdem Bauchschmerzen, sagte Enaux.

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