Sonntag, 26. Januar 2020

Rußfilter Arbeiten an einer edleren Lösung

Ob Rußpartikelfilter wie Abgaskatalysatoren steuerlich gefördert werden, ist nach dem innerdeutschen Auto-Gipfel weiter offen. Die Pflicht zum Filter ist grundsätzlich umstritten. BMW-Technikexperte Wieland Brúch erläutert gegenüber manager-magazin.de, warum der Filter für viele Diesel-Autos "nicht sinnvoll" ist.

Berlin - Die Bundesregierung will saubere Diesel ab 2005 steuerlich fördern, allerdings nur auf Grundlage einer europaweit einheitlichen Abgasnorm. Offen blieb, ob damit Rußpartikel-Filter an Kfz grundsätzlich mit einer steuerlichen Begünstigung bedacht werden.

Diesel-Abgase: Momentane "End-of-pipe"-Lösung ist nicht die ideale
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte sich am gestrigen Montag mit VW-Chef Bernd Pischetsrieder und anderen europäische Autochefs getroffen. Anschließend hieß es, die Bundesregierung wolle bis Jahresende in Brüssel auf eine neue europäische Abgasnorm (Euro 5) dringen. Vom kommenden Jahr an werde auf dieser Basis eine bundesweite steuerliche Förderung rußarmer Modelle geplant.

Mit einer neuen EU-Norm war bisher nicht vor 2007 gerechnet worden. Bundes-Umweltminister Jürgen Trittin hatte deshalb vorgeschlagen, ab 2005 saubere Dieselfahrzeuge zunächst im Alleingang mit bis zu 600 Euro im Jahr steuerlich zu fördern. Dafür schlug er einen Grenzwert von 2,5 Milligramm Staub pro Kilometer vor, der nach derzeitigem Stand nur mit Partikelfiltern zu erreichen ist. Die Autoindustrie ist dem Vernehmen nach für höhere Grenzwerte, die auch ohne Filter einzuhalten sind. Nach dem Autogipfel blieb offen, für welchen Grenzwert sich Schröder in Europa einsetzen will.

Der Verband der Automobilindustrie betonte, man wehre sich nicht grundsätzlich gegen den Partikelfilter und steuerliche Förderung, aber gegen nationale Alleingänge. Die Grenzwerte sollten wie vorgesehen 2007 auf europäischer Ebene vereinbart werden, hatte VW-Sprecher Thomas Mickeleit vor dem Treffen gesagt.

Warum BMW die Filterpflicht ablehnt

In Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) haben die deutschen Hersteller einen Fürsprecher. Er nannte den Rußpartikelfilter "nicht sonderlich innovativ". manager-magazin.de fragte beim BMW-Technikexperten Wieland Brúch nach:

mm.de: Ist der Partikelfilter für Dieselmotoren tatsächlich die beste Maßnahme zur Säuberung der Abgase?

Brúch: Auf die Filterung in Bezug auf die Rußpartikel - eindeutig ja. Aber es ist eine "End-of-pipe"-Lösung, die die Ingenieure nicht abschließend überzeugt. Viel geschickter wäre es, wenn durch Veränderungen am Motor selbst dafür gesorgt wird, dass schon während der Verbrennung des Kraftstoffs bedeutend weniger Partikel anfallen.

mm.de: Wie realistisch ist dieser Ansatz?

Brúch: Wir bauen den Partikelfilter da ein, wo er zur Erfüllung der Abgasnorm EU-4 nötig ist. Daran wird sich für die größeren Fahrzeuge auf absehbare Zeit auch nichts ändern. Der BMW 1er wird EU-4 ohne Rußpartikelfilter schaffen. Bei ihm genügen bereits die motorinternen Maßnahmen

mm.de: Aber ein Partikelfilter würde dem Auto doch nicht schaden, oder?

Brúch: Jedes Fahrzeug braucht eine maßgeschneiderte Lösung. Der 5er-BMW beispielsweise ist seit März 2004 in den Diesel-Varianten mit einem serienmäßigen Rußpartikelfilter ausgerüstet. Damit sind sind wir zwar später auf den Markt gegangen als beispielsweise Peugeot, aber unsere Lösung vermeidet dafür auch die Nachteile bisheriger Systeme.

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