Condor "Vom Ferien- zum Freizeitflieger"

Ohne Kostensenkungen ist Condor k.o. – Ralf Teckentrup, Airline-Vorstand der Mutter Thomas Cook, setzt deshalb nun auch aufs Billigflieger-Konzept. Die Reaktivierung des alten Markennamens geht einher mit Mallorca-Angeboten ab 29 Euro.

Frankfurt - Europas zweitgrößter Tourismuskonzern Thomas Cook (Neckermann) will mit seiner defizitären Flugsparte Condor den Billigfliegern Konkurrenz machen und wieder unter dem alten Markennamen fliegen.

Langstreckenflüge sollen ab 99 Euro für eine Strecke (one-way) angeboten werden, für Kurz- und Mittelstreckenflüge etwa nach Mallorca gelten ab sofort Einstiegspreise ab 29 Euro. Das teilte das Tochterunternehmen von Lufthansa und KarstadtQuelle  am Mittwoch in Frankfurt mit. Ein strenger Sparkurs und eine höhere Auslastung sollen Condor in die Lage versetzen, auch mit niedrigen Ticketpreisen (jüngstes Werbemotto: Fliegenpreise) Geld zu verdienen.

Der Verkauf von reinen Flugtickets soll gegenüber Pauschalreisen deutlich an Gewicht gewinnen. Der Anteil soll von derzeit 20 auf 40 Prozent Geschäftsanteil verdoppelt werden. Mindestens jeder zehnte Platz soll ein Billigsitz sein. "Wir wandeln uns vom Ferienflieger zum Freizeitflieger", sagte der Airline-Vorstand bei Thomas Cook, Ralf Teckentrup.

Oneline-Tickets und Billigtarife ab Frankfurt

Von den Niedrigpreisanbietern übernimmt Condor die Preisgestaltung und die Buchungsmöglichkeit über das Internet. Von der Konkurrenz will sich Condor durch guten Service absetzen. Zudem ist es nach eigenen Angaben die erste Fluggesellschaft, die Niedrigpreise auch von großen internationalen Flughäfen wie Frankfurt und München aus anbietet.

Ab sofort will die Airline wieder ihren alten Markennamen Condor führen. Das Thomas Cook Logo soll auf dem Leitwerk der Flugzeuge bleiben, dafür soll auf dem Rumpf aber in blauen Buchstaben ein großer Schriftzug "Condor" angebracht werden.

Am Modell des integrierten Reisekonzerns mit Fluggesellschaft, Hotel, Veranstalter und Vertrieb halte Thomas Cook aber fest, sagte Teckentrup. Statt der bisherigen Anpassung an Veranstalterwünsche soll es künftig feste Flugpläne geben. "Wir wollen als Airline nicht mehr nur Taxi für die Veranstalter sein", sagte der Vorstand. Die Auslastung der Flugzeuge soll von derzeit 85 auf bis zu 90 Prozent gesteigert werden. Dazu benötigt Condor zusätzlich 400.000 Passagiere. Außerdem sollen die Maschinen häufiger fliegen und länger in der Luft bleiben. Derzeit liegt die Flugzeit pro Maschine bei 9,9 Stunden pro Tag, künftig sollen es 13 Stunden sein.

240 Millionen Euro Ergebnis-Verbesserung

Von der höheren Passagier- und Flugstundenauslastung verspricht sich Teckentrup eine Ergebnisverbesserung im Geschäftsjahr 2004/05 (31. Oktober) von 70 bis 80 Millionen Euro. Weitere Beiträge von jeweils 80 Millionen Euro sollen durch Einsparungen bei Sach- und Personalkosten erzielt werden. Damit würde sich das Ergebnis insgesamt um etwa 240 Millionen Euro verbessern. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Thomas Cook hauptsächlich wegen der verlustreichen Flugsparte 251 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet.

Zur Reduzierung der Personalkosten verhandelt das Unternehmen derzeit mit den Gewerkschaften über längere Arbeitszeiten und weniger Lohn. Die Verhandlungen stehen unter Zeitdruck, da Ende Juni die Planungen für das neue Geschäftsjahr abgeschlossen sein sollen. "Wenn wir die Kostensenkungen nicht hinkriegen, dann ist die Condor k.o.", sagte Teckentrup.

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