Alstom Chirac auf Schmusekurs

Beim deutsch-französischen Gipfel war Frankreichs Präsident Jacques Chirac bemüht, Protektionismus-Vorwürfe zu entkräften. Über einen Einstieg von Siemens beim angeschlagenen Industriekonzern Alstom will er demnächst mit der Bundesregierung verhandeln.

Paris - Die französische Regierung wird keinen möglichen Partner für den angeschlagenen Industriekonzern Alstom  von vornherein ausschließen. "Frankreich unterstützt jede Partnerschaft, solange sie ausgewogen ist", sagte Staatspräsident Jacques Chirac am Rande eines Treffens mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Donnerstag in Paris.

Die Aussage eröffnet neue Chance für Siemens . Der Münchener Konzern hat nach Medienberichten Interessen an Teilen des Alstom-Konglomerats.

Beobachter gehen davon aus, dass die EU-Kommission die geplanten staatlichen Beihilfen für Alstom nur unter Auflagen genehmigen wird. Zu den Bedingungen könnte eine Abtrennung von Unternehmensteilen gehören. Nach den Worten Chiracs waren die deutsche und die französische Regierung im Hinblick auf dieses Thema in "ständigem Kontakt". Es habe Gespräche auf Ministerebene gegeben ebenso wie Verhandlungen mit der EU-Kommission.

Vorwurf des Protektionismus

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Sarkozy hatte jüngst den Eindruck erweckt, dass die Regierung in Paris eine rein französische Lösung vorziehe. Im Raume stand der Vorwurf des Protektionismus.

Bereits im Zusammenhang mit der Übernahme des deutsch-französischen Pharmaunternehmens Aventis  durch den französischen Konkurrenten Sanofi Synthelabo  haben Beobachter die Intervention aus Paris kritisiert. Der von Aventis als Alternative ins Spiel gebrachte Schweizer Wettbewerber Novartis  wurde von der Regierung damals abgelehnt.

Chirac war daher nun bemüht, Irritationen im Fall Alstom zu vermeiden. Es werde noch vor Ende des Monats ein Gespräch des französischen Regierungschefs Jean-Pierre Rafarin und Sarkozy in Berlin mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) zu diesem Thema geben, hieß es.