Deutsche Bahn "Sorgenkind Personenverkehr"

Bahn-Chef Mehdorns Bilanz für 2003 fällt gemischt aus. Einem leichten Umsatzplus und verringerten Verlusten stehen neue Schulden gegenüber. Auch bereitet der Personenverkehr weiter große Probleme. Von seinen Börsenplänen will Mehdorn dennoch nicht lassen.

Berlin - Die Deutsche Bahn AG hat im vergangenen Jahr ihren Umsatz leicht steigern und ihr Minus verringern können. Das teilte Vorstandschef Hartmut Mehdorn am Donnerstag in Berlin bei der Bilanzpressekonferenz des Schienenkonzerns mit.

2003 konnte der Verlust nach Zinsen um 282 Millionen auf 172 Millionen Euro verringert werden. Die Bahn habe damit trotz Konjunkturschwäche und massiver Konkurrenz durch Billigflieger positiver abgeschnitten als noch im vergangenen Dezember prognostiziert, sagte Mehdorn. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr insgesamt um 51,1 Prozent auf 28,2 Milliarden Euro. Ohne den Effekt durch die seit 2002 zum Konzern gehörende Frachttochter Stinnes sei ein Wachstum von 2 Prozent verzeichnet worden.

Im ersten Quartal dieses Jahres fuhr die Bahn nach Angaben von Finanzvorstand Diethelm Sack 82 Millionen Euro Verluste ein. Sie blieb damit Unternehmenskreisen zufolge um 15 Millionen hinter den Erwartungen zurück. Der Umsatz stieg insgesamt um 3,9 Prozent. Im Teilbereich Personenverkehr verfehlte man die bereits schlechte Vorjahreszahl um 1,4 Prozent.

Billigflieger nehmen der Bahn Kunden weg

Den Personenverkehr bezeichnete Mehdorn dann auch als "Sorgenkind". Immer häufiger nutzen Reisende die günstigen Angebote der Billigflieger. Der Bahn-Chef bezifferte das abgeworbene Passagierpotenzial auf 10 Prozent. Mehdorn räumte ein, dass die Bahn mit dem Personenfernverkehr hinsichtlich Qualität und Pünktlichkeit den "Kunden im vergangenen Jahr einiges schuldig geblieben" ist. Bei zahlreichen Führungskräften sei daher die Höhe der Tantiemen an den Pünktlichkeitsgrad geknüpft worden.

Finanzchef Sack bekräftigte dennoch das Ziel, 2004 ein ausgeglichenes betriebliches Ergebnis zu präsentieren. Die dazu nötigen Erfolge würden voraussichtlich nicht durch eine Konjunkturbelebung erzielt werden können, sondern durch Effizienzsteigerung.

Der Schuldenstand der Bahn stieg um rund 1,7 Milliarden auf 12,7 Milliarden Euro. Diese Entwicklung sei aber nur "temporär" und "kontrolliert", und die Bahn plane ab 2005 die schrittweise Rückführung.

Ungeachtet der anhaltenden Verluste will Mehdorn an seinem Plan zum Börsengang des bundeseigenen Konzerns festhalten: "Es bleibt dabei, dass wir Ende 2005 sagen wollen, dass Unternehmen ist kapitalmarktfähig." Am Zeitrahmen habe sich nichts geändert.

BDI: Warnung vor dem schnellen Börsengang

Unterdessen sprach sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) gegen einen vorschnellen Börsengang der Deutschen Bahn aus. BDI- Vizepräsident Bernd Gottschalk plädierte dafür, das Schienennetz aus wettbewerblichen Gründen aus dem Konzernverbund herauszulösen.

"Eine Grundsatzentscheidung für einen Börsengang mit Netz darf nicht vorschnell gefällt werden", sagte er. Aber "alle Optionen für eine Privatisierung sind zu prüfen, das heißt mit und ohne Netz". Zugleich mahnte der BDI ein verkehrspolitisches Gesamtkonzept des Bundes unter Einschluss der Bahn an.

Trotz staatlicher Finanznöte forderte Gottschalk Milliarden für Verkehrsprojekte. In der mittelfristigen Finanzplanung 2004 bis 2008 tue sich gegenüber dem Investitionsbedarf von jährlich zwölf Milliarden eine Finanzlücke von vier Milliarden Euro auf. "Das hat dramatische Folgen auch für die Konjunktur. Die Bundesregierung tritt damit auf die Wachstums- und Beschäftigungsbremse."

Gottschalk warnte zugleich davor, dringend nötige Investitionen in die Infrastruktur gegen Bildungs- und Forschungsausgaben auszuspielen. Beides sei erforderlich.

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