Commerzbank "Wir sind zu klein, um allein zu überleben"

Die Fusionsfantasien der vergangenen Wochen waren beherrschendes Thema auf der Hauptversammlung der Commerzbank. Zwar entwickelten sich die Zahlen zuletzt viel versprechend. Doch viele Aktionäre suchen die Geborgenheit eines großen Bündnisses.

Frankfurt - Inmitten nicht abreißender Spekulationen über mögliche Fusionen in der deutschen Bankenlandschaft hat Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller die grundsätzliche Bereitschaft seines Institutes für Fusionen bekräftigt.

"Wenn sich für uns dann eines Tages eine Gelegenheit ergibt, durch Zukäufe zu expandieren oder durch eine Fusion - sei sie innerdeutsch oder europäisch - Visionen zu verwirklichen, so werden wir dafür offen sein und die Möglichkeiten sorgfältig prüfen", sagte Müller am Mittwoch vor den Aktionären auf der Hauptversammlung in Frankfurt.

Müller fuhr aber fort, dass die aktuelle Strategie sich auf einen "Alleingang" beziehe und die Bank für eine "weitere Selbstständigkeit" stark machen solle. Der Commerzbank-Chef forderte zudem im Hinblick auf das Drei-Säulen-System von Sparkassen, Genossenschafts- und Geschäftsbanken eine "Aufweichung der verkrusteten Strukturen", um "in Deutschland endlich einen fairen Wettbewerb im Finanzmarkt zu schaffen". So müssten die Privilegien der Sparkassen abgeschafft werden. Er sehe keinen guten Grund, warum 50 Prozent des gesamten deutschen Bankenmarktes im Eigentum der öffentlichen Hand bleiben müssten.

Auch einige Aktionäre forderten die Führung der Bank zu einer Fusion mit einem Konkurrenten auf. "Wir sind einfach zu klein, um allein zu überleben", sagte ein Aktionär. Andere forderten, einem möglichen Kauf der Postbank durch die Deutsche Bank nicht tatenlos zuzuschauen. "Wenn die Postbank wirklich mehrheitlich verkauft wird, dann sollten wir uns um dieses attraktive Institut bemühen", sagte eine Aktionärin. Ein Sprecher der Commerzbank erwiderte, dass ein Gebot für die Postbank geprüft werde, wenn der Börsengang der Post-Tochter platzte. Die Postbank plant den Börsengang offiziell für den 21. Juni. Zahlreichen Medienberichten zufolge wird in der Deutschen Bank aber derzeit über eine vorherige mehrheitliche Übernahme der Deutschen-Post-Tochter diskutiert.

Müller will lieber selbst kaufen

Müller will lieber selbst kaufen

In der Vergangenheit waren auch immer wieder Spekulationen über eine Fusion von Commerzbank und HypoVereinsbank im Markt kursiert. Müller betonte am Mittwoch, dass die Bank weiter durch Akquisitionen wachsen wolle. Vor allem im Privatkundengeschäft werde durch "selektives externes Wachstum" eine "Erhöhung unseres Marktanteils" angestrebt. Ein erster Schritt dabei sei der Erwerb des Filialgeschäfts der Hofer SchmidtBank im Februar gewesen. Die Commerzbank werde die Filialen der SchmidtBank ab Juni integrieren.

Dem Commerzbank-Chef zufolge liegt die Commerzbank nach dem Gewinnsprung im ersten Quartal weiter im Plan. "Ich kann Ihnen heute ganz aktuell berichten, dass sich die positive Geschäftsentwicklung fortgesetzt hat. Für den Monat April liegen wir beim operativen Ergebnis gut im Plan". Die Commerzbank hatte im ersten Quartal den Überschuss auf 254 (Vorjahr: 3) Millionen Euro gesteigert. Die Bank erhöhte dabei ihren operativen Gewinn auf 435 (172) Millionen Euro.

Müller zufolge ist es "noch schwer abzuschätzen, ob dieser erfreuliche Trend der ersten vier Monate das ganze Jahr über anhält". Er sei aber "positiv gestimmt". Mittelfristig peilt die Commerzbank eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mehr als 10 Prozent und eine Aufwandsquote von rund 60 Prozent an.

Bis 13.30 Uhr verlor die Aktie der Commerzbank 1,14 Prozent auf 13,03 Euro. Händler führten die Verluste weniger auf Aussagen auf der Hauptversammlung zurück. Sie betonten, dass wieder in den Vordergrund rückende Sorgen um eine Zinserhöhung und die schwindende Hoffnung auf eine Konsolidierung im deutschen Bankensektor die Finanztitel insgesamt am Mittwoch belasteten.