Deutsche Bank Kein offizielles Gebot

Am Dienstag schaute nicht nur die deutsche Finanzwelt gespannt nach Frankfurt. Dort tagte die Führung der Deutschen Bank, um über ein rund sechs Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für die Postbank zu beraten.

Frankfurt/Main - Das 11-köpfige Group Executive Committee der Deutschen Bank  ist am Dienstag ohne Beschluss zu einer möglichen Übernahme der Postbank auseinander gegangen. Das verlautete aus Frankfurter Finanzkreisen. Deutschlands größte Bank wollte die Sitzung nicht kommentieren und teilte auch kein Ergebnis mit.

Wie die Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf Finanzkreise am Dienstagabend vorab meldete, will der erweiterte Vorstand des Geldinstituts am Mandat für den Börsengang (IPO) der Postbank festhalten. Die Entscheidung darüber, ob die Deutsche Bank weiterhin die Deutsche Post beim IPO ihrer Tochter berät, liege allerdings beim Auftraggeber, schreibt die Zeitung in ihrer Mittwochausgabe. "Das ist Sache der Deutschen Post ", habe es in Frankfurt geheißen.

Der Börsengang der Post-Tochter ist für den 21. Juni geplant. Die Deutsche Bank ist zusammen mit Morgan Stanley  Konsortialführer. Insgesamt soll der Börsengang von 19 in- und ausländischen Banken begleitet werden.

Übernahme auch nach Postbank-IPO möglich

Experten halten eine Zusammenarbeit von Deutscher Bank und Postbank für durchaus praktikabel. Allerdings raten sie im Falle einer Kooperation zu einer Zwei-Marken-Strategie. "Es wäre nicht sinnvoll, die Kunden einfach zu vermengen", so Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, im Gespräch mit manager-magazin.de am Dienstag.

Eine Absage des Börsengangs wäre für ihn ein "fatales Signal" für den deutschen IPO-Markt. Nicht zuletzt nach dem XFab-Debakel würde Gerke es daher begrüßen, wenn eine mögliche Übernahme erst nach dem Börsengang der Postbank erfolge, von der dann auch die Aktionäre finanziell profitieren könnten.

Dass die Deutsche Bank ihre Übernahmepläne auch nach dem Börsengang weiterverfolgen könnte, wird in Finanzkreisen durchaus für möglich gehalten. Noch hatte die Deutsche Post aber stets betont, an der Mehrheit bei der Postbank festhalten zu wollen.