Airbus über Boeing "Raubkopie"

Vom einstigen Vorsprung des US-Flugzeugherstellers sei nicht mehr viel zu erkennen, befindet Airbus-Chef Noel Forgeard. Und er setzt noch einen drauf: Der neu vorgestellte Boeing Dreamliner 7E7 sei nichts anders als eine "Chinese Copy" des Airbus A330.

Berlin - "Chinese Copy" - der Begriff ist unter Ingenieuren inzwischen als Synonym für Raubkopien verbreitet. Und als "Chinese Copy" bezeichnetet Forgeard den neuen A330-Konkurrenten - selten hat ein Vorstandschef sich mit derart vernichtender Kritik über einen Konkurrenten geäußert.

"Es bedarf keiner besonderen Antwort auf die Präsentation dieses Flugzeuges durch Boeing , sagte Forgeard am Dienstag auf der ILA in Berlin. Die 7E7 sei vielmehr die Antwort auf den A330-200, für den es zurzeit keine ernst zu nehmende Konkurrenz gebe. Airbus habe hier bei den Aufträgen einen Anteil von 78 Prozent.

Für den Riesen-Airbus A380 kündigte Forgeard den Jungfernflug für das erste Quartal 2005 an. Die ersten Linienflüge in den Farben der Singapore Airlines seien für das zweite Quartal 2006 geplant. Zu den 129 festen Bestellungen von elf Kunden, darunter der Lufthansa, solle bis 2006 ein Kunde jährlich hinzukommen, prognostizierte Forgeard. Airbus sei in Verhandlungen mit vier Gesellschaften, deren Namen er allerdings nicht nennen wollte.

Besonders in Asien seien Airbusse sehr gefragt, sagte Foregard weiter. Mit den kleineren Maschinen sei Airbus zum bevorzugten Hersteller bei Billigfliegern geworden. Es gebe rund 400 Bestellungen aus allen Kontinenten. Das entspreche 55 Prozent der ausstehenden Orders. 256 Airbus-Flugzeuge seien bereits im Dienst bei diesen Gesellschaften, deren Geschäft zurzeit einen Boom erlebt.

Während der Pressekonferenz verkündete Forgeards Vorstandskollege John Leahy eine neue Bestellung über 15 Flugzeuge für den amerikanischen Low-Cost-Carrier Spirit Airlines an, der damit auf dem Weg sei, eine reine Airbus-Airline zu werden.