WestLB Risse in der Sparkassen-Allianz

Gemeinsam mit den rheinländischen Kollegen wollte der westfälische Sparkassenverband die Kapitalerhöhung bei der WestLB durchführen und sich so die Kontrolle über die Bank sichern. Doch die Rheinländer erteilen dem geplanten Alleingang eine Absage.

Hamburg - Der Rheinische Sparkassen- und Giroverband (RSGV) legt im Rahmen einer Kapitalerhöhung keinen Wert auf die vollständige Kontrolle der WestLB. "Eine dauerhafte Mehrheit ist keine conditio sine qua non", sagten Vorstandskreise des Verbandes gegenüber manager-magazin.de.

Der Westfälisch-Lippische Sparkassen- und Giroverband (WLSGV) hatte vergangene Woche angekündigt, mit der Kapitalerhöhung die Kontrolle über die WestLB übernehmen zu wollen. Verbandspräsident Rolf Gerlach rechnet nach den bisher bekannt gewordenen Äußerungen mit einem Kapitalbedarf von 1,5 Milliarden Euro. Diesen Betrag wollte Gerlach zwischen seinem Verband und dem rheinischen Pendant aufteilen.

Den von Gerlach eingeschlagenen Weg wollen die Rheinländer nun offenbar nur teilweise mitgehen. Auf ihrer Sitzung am Mittwoch entschied der RSGV-Vorstand, dass auch das Land Nordrhein-Westfalen die Kapitalerhöhung mittragen soll. Zudem sollen auch die Landschaftsverbände "im Rahmen ihrer Möglichkeiten" die Maßnahme mitfinanzieren.

Die WestLB will mit der Kapitalerhöhung die für eine wettbewerbsfähige Refinanzierung entscheidende Kernkapitalquote auf etwa 7 Prozent verbessern. Derzeit liegt diese Quote bei rund 5 Prozent, am Kapitalmarkt gelten etwa 6 Prozent als Mindestvorgabe. Im vergangenen Jahr hatte die WestLB vor allem wegen fauler Kredite in ihrem internationalen Beteiligungsgeschäft einen Verlust von 2,32 Milliarden Euro verbucht.

Rheinländer wollen den Westfalen nicht folgen

Bislang ist die WestLB eine 100-prozentige Tochter der NRW Bank, an der das Land Nordrhein-Westfalen mit 43,2 Prozent den größten Teil hält. Der rheinische und der westfälische Sparkassenverband halten jeweils 16,7 Prozent an der NRW Bank, die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen je 11,7 Prozent.

Über die anstehende Kapitalerhöhung könnten sich die Anteilseigner nun direkt an der Bank beteiligen. Doch die Bereitschaft ist unterschiedlich. Die westfälischen Kassen wollen die Gelegenheit nutzen, um sich die Kontrolle über eine internationale Geschäftsbank zu sichern.

Die rheinländischen Kassen sehen hingegen nicht ein, warum die Sparkassen die Kapitalerhöhung allein tragen sollen. Dem Vorstand kommt es dem Vernehmen nach darauf an, dass "künftig keine Entscheidung gegen die Sparkassen getroffen werden können". Auch muss der Einfluss nur so weit gehen, um sicherzustellen, dass "die WestLB nur Risiken eingeht, die von den Kassen als tragbar eingeschätzt werden".

Kein Geld von Land und Landschaftsverbänden

Das Land hat indes bereits signalisiert, sich zumindest nicht aus laufenden Haushaltsmitteln an einer Kapitalerhöhung beteiligen zu wollen. Auch die Landschaftsverbände wollen angesichts leerer Kassen nicht mitmachen.

Die begrenzte Bereitschaft der rheinländischen Kassen, die Rettung der WestLB nur mit den westfälischen Kollegen zu finanzieren, wirft nun die Frage auf, wer die 1,5 Milliarden Euro bereitstellen soll.

Die WestLB jedenfalls gibt sich gelassen. Ein Sprecher erklärte: "Wir sind zuversichtlich, dass das Geschäftsmodell, das wir derzeit mit den Anteilseignern erarbeiten die Eigentümer davon überzeugen wird, Eigentümer der Bank zu bleiben und frisches Kapital im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen."

Die endgültige Entscheidung über die Kapitalerhöhung will der Rheinische Sparkassen- und Giroverband am 21. Juni auf der Vollversammlung treffen. Die Westfalen befinden darüber am 16. Juni.

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