Ölpreis Schwarzer Peter mit schwarzem Gold

Von Entspannung keine Spur: Der Preis je Barrel Rohöl steigt weiter. Damit verpufft der Appell der westlichen Industrienationen an die Opec, dem Höhenflug Einhalt zu gebieten. Tatsächlich tut die Organisation das Gegenteil und heizt die Preissteigerung weiter an.

Wien/Berlin - Die Rohölpreise kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Am Dienstag sei der Korbpreis für sieben ausgewählte Sorten auf 33,32 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen, teilte die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) am Mittwoch in Wien mit.

Das waren 55 US-Cent mehr als am Vortag. Zuletzt hatte der Korbpreis am 18. März die Marke von 33 Dollar überschritten und bei 33,03 Dollar gelegen. Ein Ende des Preisanstiegs ist nicht absehbar. Nach Angaben der Opec ist die Tendenz weiter steigend.

Genau das wollen Politiker und Unternehmer derzeit nicht hören, denn die hohen Ölpreise werden zur Hauptgefahr für den Aufschwung der Weltwirtschaft. Ungeachtet dessen trägt die Opec ihren Teil dazu bei, die Situation zu verschlimmern.

Trotz Warnungen der G7-Finanzminister will die Organisation ihren Zielkorridor auf 32 bis 34 Dollar nach 22 bis 28 Dollar je Barrel erhöhen. "Wir prüfen ein neues Preisband. Ein Ölpreis von 32 bis 34 Dollar ist noch sicher für die Weltwirtschaft", sagte Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro.

Affront gegen den Westen

Die Abnehmerländer müssen darin einen Affront sehen. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) und seine Kollegen hatten vom Washingtoner Treffen der sieben führenden Industrienationen (G7) am Wochenende die Warnung des Internationalen Währungsfonds (IWF) mitgenommen, ein Anstieg des Barrel-Preises um fünf Dollar koste weltweit etwa 0,3 Prozent Wachstum. Für Großverbraucher unter den Industrienationen, die wie Deutschland auf Importe angewiesen sind, dürfte die Wachstumsdämpfung noch größer ausfallen.

Die Sensibilität für das Problem Ölpreis ist unter den G7-Ländern unterschiedlich, wie sich jüngst in Washington zeigte. So tat sich Eichel als Vertreter des rohstoffarmen Deutschland am lautesten als Mahner hervor. "Ein stabiler und nicht zu hoher Ölpreis ist notwendig", forderte er.

Der harten Linie wollte sein US-Kollege John Snow nicht folgen. Schließlich hat sein Präsident George W. Bush im Wahljahr wenig Interesse daran, die Bürger mit dem heiklen Thema Benzinpreis zu erschrecken. Allerdings warnt inzwischen auch US-Notenbankchef Alan Greenspan vor den Folgen der Entwicklung. Die Wahrscheinlichkeit stetig steigender Energiepreise könnte nach seinen Worten die Investitionsentscheidungen von Unternehmen mit hohem Energieverbrauch beeinflussen.

Saudis auf Kuschelkurs

Europa in Angst

Hohe Ölpreise sind besonders für die Öl importierenden europäischen Industrienationen eine Gefahr. Verglichen mit den USA und Asien hat Europa ohnehin ein großes Wachstumsproblem, das nun noch verschärft wird. Zudem fällt die Preisexplosion mit dem Kursverlust des Euro gegenüber dem Dollar zusammen. So lange die Einheitswährung schwach war, schlug der in Dollar berechnete Ölpreis nicht so stark durch.

Doch gerade das Währungsproblem ist eine der Triebfedern für die Preiserhöhung. Da die Opec-Staaten in Dollar abrechnen, haben sie wegen der Kursentwicklung erhebliche Verluste erlitten. Gegenüber den sechs wichtigsten Währungen hat die US-Währung in den vergangenen zwei Jahren rund 20 Prozent an Wert eingebüßt. Einige Mitglieder haben deshalb darauf gedrängt, die Preisspanne nach oben zu korrigieren.

Der weltweite Aufschwung steigert zudem den Bedarf an Öl. Vor allem Chinas boomende Wirtschaft hat einen kaum zu stillenden Energiebedarf. Gleichzeitig stocken die USA und andere Länder ihre Ölreserven auf, um sich gegen geopolitische Gefahren im Nahen Osten zu wappnen.

Unterschiedliche Ansichten in der Opec

Immerhin: Auch in der Opec gibt es unterschiedliche Ansichten. Mit Saudi-Arabien will das wichtigste Mitgliedsland wieder zur angestrebten Preisspanne zwischen 22 und 28 Dollar je Barrel zurückkehren. Der angestrebte Korbpreis für Opec-Öl liege weiterhin bei 25 Dollar je Barrel, sagte der saudische Ölminister Ali al-Maimi vergangene Woche in einer Rede vor dem Forum zur Sicherung der globalen Energieversorgung des Center for Strategic and International Studies in Washington.

Die Saudis sind sichtlich bemüht, ihren wichtigsten Verbündeten, die USA, nicht in Rage zu bringen. Allerdings reicht ihre Solidarität nicht allzu weit. Die Opec habe nur eine begrenzte Fähigkeit, den Ölpreis tatsächlich innerhalb der angestrebten Preisspanne zu halten, schränkte al-Maimi ein. Vor allem gelte dies, wenn eine steigende Nachfrage den Preis für Rohöl nach oben treibe. Das sei laut al-Maimi gegenwärtig der Fall.

Außerdem hätten Sorgen um die politische Stabilität einiger Ölförderländer, das Engagement großer Hedgefonds und Engpässe bei US-amerikanischen Raffinerien den Ölpreis nach oben getrieben, sagte der saudische Ölminister. Damit schob er den schwarzen Peter wieder den Abnehmern im Westen zu.