Volkswagen Arabische Nächte in Wolfsburg

Das Emirat Abu Dhabi will Großaktionär bei VW werden, verkündete Volkswagen-Lenker Pischetsrieder am Donnerstag auf der Hauptversammlung. Allerdings hadert der Konzern mit der schwachen Autokonjunktur. Das erste Quartal war laut Pischetsrieder "miserabel".

Hamburg - Abu Dhabi, das zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört, will über eine staatliche Investmentgesellschaft in einem "mehrstufigen Umsetzungsprozess Aktionär der Volkswagen AG werden", sagte VW-Chef Bernd Pischetsrieder am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Hamburg.

Die Aktie von Volkswagen  legte am Donnerstag im frühen Handel deutlich zu. Begüterte Aktionäre aus dem Mittleren Osten pflegen seit Jahren eine Vorliebe für deutsche Automobile: Der Staat Kuwait gehört zum Beispiel zu den Großaktionären bei DaimlerChrysler .

Das Interesse der Scheichs zeigt sich auch in der Zusammenarbeit von Volkswagen und der staatlichen Mubadala Development Company aus Abu Dhabi beim Kauf der Leasinggesellschaft Leaseplan, den Volkswagen am Donnerstag vor dem Aktionärstreffen bekannt gab.

Pischetsrieder nannte die Leaseplan-Übernahme "sinnvoll und notwendig". Zwar habe das Sparpaket "ForMotion" mit einem Volumen von vier Milliarden Euro erste Priorität, sagte der Volkswagen-Primus. Der Konzern dürfe und werde darüber aber nicht die Positionierung des Konzerns als "kundenorientierter Dienstleister über die Herstellung von Automobilen hinaus" vernachlässigen.

Zins-, Service- und Versicherungseinkünfte verringerten laut Pischetsrieder die Abhängigkeit des Konzerns von den zyklischen Schwankungen des Autogeschäfts. Volkswagen erwägt zur Finanzierung der Übernahme von Leaseplan den Einsatz von eigenen Aktien. In diesem Zusammenhang könnte Abu Dhabi dann Aktionär von Volkswagen werden.

Pischetsrieders "miserables Quartal"

Pischetsrieder: "Miserables Quartal"

Volkswagen hat das erste Quartal nach den Worten des Vorstandschefs wie zuvor angekündigt mit einem "miserablen" Ergebnis abgeschlossen. Neben der schwachen Marktlage zu Jahresbeginn wirkten die Dollar-Schwäche und die zahlreichen Modellanläufe belastend, wie Pischetsrieder weiter ausführte. Dies habe Auswirkungen sowohl auf der Kosten- als auch auf der Erlösseite.

Konkrete Aussagen zum Ergebnis machte Pischetsrieder nicht. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit allerdings betont, dass der Konzern nicht in die Verlustzone geraten sei. Analysten erwarten einen Ergebniseinbruch um rund 50 Prozent auf etwa 300 Millionen Euro.

Insgesamt hat Europas größter Autobauer im ersten Quartal mit 1,2 Millionen Fahrzeugen 0,6 Prozent mehr an Kunden ausgeliefert als in 2003. "Auf Grund des schwachen Januars und Februars, aber eines hervorragenden Monats März, lagen die Auslieferungen an Kunden im ersten Quartal 2004 leicht über dem Vorjahr", erläuterte Pischetsrieder vor den Aktionären.

Der Golf kommt auf Touren

Die Produktion erhöhte sich deutlich stärker um 2,8 Prozent auf 1,316 Millionen Fahrzeuge. Die Auslieferungen im Gesamtjahr 2004 würden durch die Fortführung der Modelloffensive gegenüber dem Vorjahr steigen, hieß es. Pischetsrieder bekräftigte, Volkswagen wolle 2004 das operative Ergebnis des Vorjahres von rund 2,5 Milliarden Euro vor Sondereinflüssen übertreffen. Dies sei ein "anspruchsvolles Ziel".

Deutlich angestiegen seien die Auftragseingänge und Verkaufszahlen des neuen Golfs. Im März habe die Zahl der Golf-Neuzulassungen um 40 Prozent über denen des Vormonats gelegen. Von einem gescheiterten Golf-Anlauf könne also "überhaupt keine Rede sein", sagte der Vorstandsvorsitzende.

"Sehr positiv" verlaufe auch die Restrukturierung des im vergangenen Jahr verlustreichen Brasilien-Geschäfts, erklärte Pischetsrieder. Die Personalkürzungen seien abgeschlossen und die Kostensenkungsmaßnahmen zeigten Wirkung. Trotz negativer Währungseffekte habe die Tochtergesellschaft VW do Brasil in den ersten drei Monaten ein positives operatives Ergebnis eingefahren.