Allianz Vornehme Zurückhaltung

Während sich die Kollegen von Deka und DWS auf den Hauptversammlungen lautstark über dilettierende Vorstände echauffieren, wahrt Allianz-Chefvermögensverwalter Joachim Faber die Contenance. Protestauftritte der Fondsmanager sind nach seiner Meinung kontraproduktiv.

Frankfurt - Die Vermögensverwaltung der Allianz  will nicht wie andere Fondsgesellschaften oder Vermögensverwalter auf Hauptversammlungen (HV) von Aktiengesellschaften auftreten, um das Management zu kritisieren. Er halte solche Auftritte zum Teil für kontraproduktiv, sagte der Vorstandschef der Allianz Dresdner Asset Management (Adam), Joachim Faber, am Montagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Stattdessen würden Gespräche im Hintergrund geführt, um den Unternehmen die Wünsche der Adam klar zu machen, erklärte Faber weiter. Damit wendet sich der Allianz-Vorstand gegen die Scheltepraxis seiner Kollegen von DWS und Deka. Diese Fondsgesellschaften hatten zuletzt Aktionärstreffen zur offenen Abrechnung mit der Führungsetage genutzt.

So zum Beispiel auch die HV von DaimlerChrysler  Anfang des Monats. Die wie üblich aufgebrachten Verterter der Kleinaktionäre erhielten reichlich Rückendeckung von der Fonds-Prominenz. Bei der Abstimmung wurde die Führungsriege von den enttäuschten Anlegern mit Wahlergebnissen von weniger als 90 Prozent abgestraft.

Deka vollzieht den Kurswechsel

Allen voran vollzog die Fondsgesellschaft Deka Investment den Kurswechsel. Bislang hätten die Gesellschaften Kritikpunkte mit den Konzernen in kleinen Gesprächsrunden besprochen, sagte Michael Schneider, Deka-Fondsmanager, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Seine Gesellschaft verweigerte dem Vorstand von DaimlerChrysler jedoch nun die Entlastung. Dies sei ein "Strategiewechsel". "Wenn wir berechtigten Anlass zur Kritik haben, werden wir diese auch öffentlich äußern", so Schneider weiter, schränkte aber ein: "DaimlerChrysler war der größte Sündenfall in letzter Zeit."

Bei der Investmenttochter der Deutschen Bank  DWS gibt man sich zurückhaltender. Kritik am Kurs der Unternehmen werde sehr wohl öffentlich geübt, sagt Sprecher Claus Gruber. "Ich kann nicht sagen, dass wir mit unserer Meinung hinterm Berg halten." Das Abstimmungsverhalten wolle man aber nicht kommentieren.

"Sündenfälle" vom Format DaimlerChrysler stehen allerdings in naher Zukunft zuhauf an. Die Saison der Hauptversammlungen hat begonnen und einige Treffen versprechen spannend zu werden.

Volkswagens  (Hauptversammlung am 22. April) Premiumstrategie etwa ist umstritten. Die HypoVereinsbank  (29. April) muss ihre ungültige Aufsichtsratswahl vom vergangenen Jahr wiederholen. Die Münchener Rück  (26. Mai) hatte im vergangenen Jahr unter anderem wegen ihrer kriselnden Erstversicherungstochter Ergo erstmals seit 1949/50 einen Verlust eingefahren. Die Spitze der Commerzbank  (12. Mai) strich die Dividende für 2003 und beschnitt die Betriebsrenten der Mitarbeiter, tastete eigene Bezüge aber nicht an. Reichlich Gelegenheit für die Kollegen von Adam-Chef Faber, den Konzernlenkern erneut öffentlichkeitswirksam auf die Finger zu klopfen.

Adam im Aufwind

Adam im Aufwind

Faber selbst erklärte am Montag zudem, dass nach den großen Übernahmen der vergangenen Jahre die Einkaufstour seines Bereichs beendet ist. "Wir sind regional und nach Produkten umfassend aufgestellt. Weitere Akquisitionen wären eine unerwünschte Erweiterung der Komplexität", sagte der Adam-Chef.

Adam ist inzwischen hinter der Schweizer Großbank UBS  mit knapp einer Billion Euro anvertrautem Kapital der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt. Die Expansion der Sparte geht vor allem auf den Kauf von Pimco und der Dresdner Bank zurück.

Pimco, ein Spezialist für die Anlage festverzinslicher Wertpapiere, habe das Volumen verwalteter Vermögen seit der Übernahme durch die Allianz 2000 mehr als verdoppelt und sich von einer reinen US-Gesellschaft zu einem Anbieter in allen großen Währungsregionen entwickelt. "Pimco war den Preis wert - um nicht zu sagen preiswert", sagte Faber, der auch Vorstandsmitglied der Allianz AG ist.

Die Adam wolle auch in den nächsten Jahren beim operativen Ergebnis "zwischen 8 und 11 Prozent" jährlich wachsen. Das Plus von 48 Prozent auf 733 Millionen Euro 2003 sei ein "Ausrutscher" im positiven Sinn gewesen. Ab 2005 soll auch unterm Strich ein Gewinn anfallen.