Siemens Arbeitsplatzerhalt durch Gehaltsverzicht

Vorstandschef von Pierer sieht Chancen, den geplanten Abbau von 5000 Stellen noch einzudämmen. Die Angestellten müssen allerdings zwingend im Bereich Verzichtsbereitschaft qualifiziert sein.

München - Siemens-Chef Heinrich von Pierer hat erneut Kostensenkungen für nicht wettbewerbsfähige Standorte des Konzerns angemahnt. Eine generelle Einführung der 40-Stunden-Woche in dem Großunternehmen , das die Verlagerung tausender Arbeitsplätze ins Ausland prüft, schloss der Manager aber in einem Zeitungsinterview aus und gab sich damit gegenüber dem Arbeitnehmerlager moderater als in der Vergangenheit.

"Ich sage auf Betriebsversammlungen klipp und klar, dass wir für das gleiche Geld mehr arbeiten müssen", sagte von Pierer der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) in einem am Montag vorab verbreiteten Interview. Dies gelte aber nur für Bereiche wie die beiden Standorte Bocholt oder Kamp-Lintfort, in denen die Lage auf Grund hoher Lohnkostennachteile kritisch sei. "Eine generelle Arbeitszeitverlängerung kommt nicht in Frage."

Siemens hatte Anfang des Monat erklärt, theoretisch seien bis zu 5000 der insgesamt 167.000 Stellen in Deutschland wegen Kostennachteilen oder strukturellen Problemen gefährdet. Die IG Metall geht konzernweit sogar von mehr als 10.000 bedrohten Arbeitsplätzen aus.

Auffangbecken Servicegesellschaft

Alleine durch die Verlängerung der Arbeitszeit könnte nach den Worten von Pierers etwa die Hälfte der an den gefährdeten Standorten bestehenden Kostennachteile aufgefangen werden. Ein Teil der 5000 bedrohten Arbeitsplätze könne zudem auch in der Anfang 2003 geschaffenen Servicegesellschaft untergebracht werden, sagte von Pierer in dem redaktionell bearbeiteten Interview weiter. Derzeit sind hier rund 12.000 Siemens-Mitarbeiter untergebracht, die niedrigere Tarife in Kauf nehmen und auf bestimmte Zuschläge verzichten. Die Gesellschaft war gegründet worden, um den Arbeitsplatzabbau in der Netzwerksparte ICN abzufedern.

Mit Blick auf das derzeit in Brüssel laufende Verfahren um die Legalität der staatlichen Hilfen für den angeschlagenen Maschinenbaukonzern Alstom , warnte von Pierer vor vorschnellen Schlüssen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Entscheidung bereits gefallen ist", sagte er. Siemens hat ein Interesse am Gasturbinen-Geschäft der Franzosen, auch die Verkehrstechnik von Alstom gilt als interessant für den Konzern.

Ende März hatte es bei der EU geheißen, ein Gutachten fordere keine nennenswerten Verkäufe im Gegenzug für staatliche Gelder. Damit würden die für Siemens interessanten Bereiche nicht zum Verkauf stehen.