Henkel Gehaltsplus nur bei Gewinnplus

Sensibel reagiert der Aufsichtsrat auf ein BGH-Urteil: Die Mitglieder verzichten vorerst auf die geplante Vergütungskomponente. Auf der Hauptversammlung gibt Vorstandschef Lehner einen vorsichtig optimistischen Ausblick und erhält Zustimmung für die Zukäufe in den USA.

Düsseldorf - Der Konsumgüterhersteller Henkel  hat trotz eines Preiskampfs im Premiumgeschäft die Prognosen für 2004 und 2005 bekräftigt. Wegen der in vielen Teilen der Welt schwachen Konjunktur sei die Nachfrage nach preisgünstigen Angeboten in Henkels Hauptsegment Wasch- und Reinigungsmittel gestiegen, sagte Henkel-Chef Ulrich Lehner am Montag auf der Hauptversammlung in Düsseldorf.

Der Aufsichtsrat des Konzerns will angesichts eines Urteils des Bundesgerichtshofs zum Thema Aktienoptionen auf seine langfristige Vergütungskomponente für das Jahr 2004 verzichten.

Möglicherweise werde das Gremium im kommenden Jahr ein neues Modell für eine Vergütungskomponente vorstellen, die sich am langfristigen Unternehmenserfolg orientiert, sagte Aufsichtsratschef Albrecht Woeste bei der Hauptversammlung. Bis dahin werde auch der Gesellschafterausschuss auf die Ausübung der so genannten Wertsteigerungsrechte verzichten.

Platz drei im weltweiten Ranking gehalten

Im vergangenen Jahr erhielten die 17 Aufsichtsratsmitglieder von Henkel eine Gesamtvergütung von 805.000 (729.000) Euro, bestehend aus Festvergütung, Bonusdividende für 2003 und Sitzungsgeld. Die elf Mitglieder des Gesellschafterausschusses erhielten zusammen 1,6 (1,5) Millionen Euro.

Zum operativen Geschäft erklärte Vorstandschef Lehner auf der HV, trotz des Preisdrucks und des starken Euro habe Henkel die Marktposition mit Wasch- und Reinigungsmitteln international gehalten. Weltweit liegt Henkel auf dem dritten Rang.

Im Hauptgeschäft mit Wasch- und Reinigungsmitteln strebt Henkel in diesem Jahr einen Anstieg des wechselkursbereinigten Betriebsergebnisses im hohen einstelligen Prozentbereich an. In allen anderen Unternehmensbereichen rechnet der Konzern mit einer Verbesserung vor Währungseinflüssen im zweistelligen Prozentbereich. Die Aktie des im Dax  notierten Unternehmens stieg bis 12.20 Uhr um 1,2 Prozent auf 70,83 Euro. Gleichzeitig lag der Dax mit plus 0,06 Prozent bei 4.036 Punkten.

Kauf von Dial und ARL soll sofort Gewinn bringen

Weiterhin peilt der Hersteller von Persil und Schwarzkopf-Produkten 2004 im Konzern ein Gewinnwachstum je Aktie von knapp 10 Prozent an. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern liegt die Ziellatte bei mehr als 10 Prozent. Den Umsatz wollen die Düsseldorfer im laufenden Jahr um 3 bis 4 Prozent steigern. Sämtlichen Prognosen liegt ein Eurokurs von 1,20 Dollar zugrunde.

Mit dem 2,9 Milliarden Euro schweren Zukauf der amerikanischen Marken Dial und ARL will Henkel vor Goodwill-Abschreibungen von Anfang an Gewinne schreiben. Mit einem Dial-Umsatz von 1,2 Milliarden Euro steige Henkel damit in den großen aber bisher kaum abgedeckten amerikanischen Markt für Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kosmetik ein.

Aktionärsvertreter begrüßen Expansion in den USA

Für die Integration sieht Henkel-Chef Ulrich Lehner keine Schwierigkeiten. Mit den Zukäufen der Marken Schwarzkopf in Europa und Loctite in den USA habe Henkel bereits Erfahrungen mit Übernahmen gesammelt. Am 24. März hatten die Dial-Aktionäre der Übernahme durch die Düsseldorfer zu 28,75 Dollar je Aktie zugestimmt. Kurz darauf war die Übernahme abgeschlossen worden.

Aktionärsvertreter sprachen sich auf der Hauptversammlung für die Übernahme von Dial aus. "Es ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung", sagte die Vertreterin der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jella Benner-Heinacher. Auch die Vertreterin der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre, Reinhild Keitel, zeigte sich zufrieden mit der strategischen Entscheidung des Zukaufs. Die Akquisition bringe etwas, dass ein Kauf von Wella  nicht gebracht hätte: eine Verstärkung im wichtigen amerikanischen Markt.